Neues PCR-Testverfahren startet in Hamburg

Schneller, deutlich günstiger und wesentlich angenehmer als bisher lässt sich ab dem 7. Dezember 2020 in Hamburg ein PCR-Test durchführen. Auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn wird mittels Gurgeln (Kochsalzlösung) getestet. Das Ergebnis gibt es binnen maximal 24 Stunden.

„Corona Freepass“ – der PCR-Test lässt Urlaubsträume wahr werden

Bislang waren für PCR-Tests, die eine Infektion mit dem Coronavirus nachweisen sollten, meist unangenehme Rachenabstriche erforderlich. Nicht nur bei Verdacht auf das Vorhandensein des Virus galt es diese Tortur durchzustehen. Auch wer in den oft schon lange geplanten Urlaub, bspw. auf die Kanaren wollte, musste sich ihr unterziehen. Die Wartezeit auf das Ergebnis, im potentiellen Infektionsfall ob Quarantäne schon unangenehm, konnte im Fall einer geplanten Reise zum Glücksspiel werden. Zahlreiche Labore waren derart heillos überlastet, dass es teils mehr als eine Woche dauern konnte, bis ein Testergebnis vorlag.

Ab sofort mischt Corona Freepass den PCR-Testmarkt schier revolutionär auf. Die Unternehmer Heiko Fuchs und Axel Strehlitz haben gemeinsam mit Virologen, Beratern sowie Entwicklern das neue PCR-Testverfahren mitsamt funktionaler Web- und Applösung entwickelt. Dabei setzt Corona Freepass auf das PCR-Kreuz-Pooling, so dass ein 20-sekündiges Gurgeln mit Kochsalzlösung ausreicht, um ausreichend Analysematerial zu erhalten. Der Laborbericht wird als binnen 24 Stunden, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache, per E-Mail versandt und ist offiziell, also auch bei Auslandsreisen, anerkannt. Der Preis in Höhe von 24,95 Euro liegt dabei deutlich unter den Kosten, die ein anerkannter PCR-Test bislang verursachte.

Das Procedere ist denkbar unkompliziert. Die Terminvergabe für eine Probennahme erfolgt einfach über die Registrierung auf der Corona Freepass-Seite. Zwei Stunden vor dem Gurgeln gilt es dann möglich nichts mehr zu essen oder zu trinken. Die Identitätsprüfung wird beim ersten Test anhand des Ausweises vorgenommen. Und dann heißt es auch schon „Gurgeln Ahoi!“

AstraZeneca – eine individuelle Impferfahrung

Am 16. Februar wurde mir der AstraZeneca-Impfstoff injiziert. Just an dem Tag, als die Meldungen über vermeintliche Nebenwirkungen und unzählige Krankschreibungen nach der Impfung sich schier überschlugen. Trotzdem entschied ich mich bewusst für dieses Serum, den Vektor-Impfstoff AZD1222.

1. Impfdosis AstraZeneca

Obwohl ich mich keinesfalls in die Schar der gegenwärtig 82 Millionen Virologen (Bundestrainer a. D.) einreihen will und trotz einiger Grundkenntnisse im Herzen bekennender Laie bin, habe ich mich im Vorfeld soweit über die verschiedenen Impfseren und deren Wirkweise informiert, als dass ich die Entscheidung für AstraZeneca für mich besten Gewissens treffen konnte. Möglicherweise war diese Eigeninitiative im Nachhinein betrachtet ziemlich clever, so konnten mich einerseits die inflationären „Schreckensmeldungen“ nicht in panische Hysterie versetzen, andererseits aber bin ich auch nicht wirklich sicher, ob die durchaus erkennbare Sprachbarriere möglicherweise eine umfassendere Aufklärung durch den für mich zuständigen Impfarzt vereitelt hätte.

Die Injektion als solche war völlig unaufregend und verlief erwartungsgemäß ohne Komplikationen. Ihr folgten 15 Minuten präventiver Aufenthalt im Ruhebereich für den Fall der Fälle, der jedoch – meinerseits ebenfalls erwartungsgemäß – nicht eintrat. Im Verlauf des restlichen Tages gab es weiterhin keinerlei Auffälligkeiten festzustellen.

Am Morgen des 17. Februar erwachte ich tatsächlich gerädert, mit einem „Brummschädel“ und Gliederschmerzen. Ich hatte einen Impfkater. In der Tat erinnerte mich mein körperlicher Zustand an einen Morgen, an dessen Vortag man abends ein Glas zu viel vom „Fusel“ konsumiert hatte und das im Nachhinein bitter bereute. Dieser Kater hielt in seiner halbwegs erträglichen Ausprägung bis in den Spätnachmittag an. Allerdings bereute ich seine Ursache nicht, denn die Reaktion meines Körpers auf den Impfstoff war erhofft. Es war keine Neben-, sondern eben die gewünschte Impfwirkung. Der Impfkater zeigte, dass AstraZeneca wirkt. Und das ist gut so.

Anm.: Dieser Erfahrungsbericht ist exakt das; ein Erfahrungsbericht. Er kann und soll nicht explizit erklären oder gar aufklären, sondern vielmehr dazu motivieren, fundierte Informationen abseits von politischer Hysterie, medialer Panikmache und Clickbait-Terror zu suchen. Er soll ermuntern selbst zu verstehen, eigenständig zu denken und eigenverantwortlich zu entscheiden; abseits vom nur allzu oft meinungsstark-ahnungslosen Geblubber auf den einschlägigen Social Media-Kanälen, unbeeindruckt von omnipräsenten Pandemiestars wie Lauterbach & Co., welche aufmerksamkeitsheischend die für Sie so bitternötige Gunst der Stunde für sich nutzen.

Flaschenpost vs. Durstexpress – welcher Getränkeservice lohnt sich wirklich?

Werbung aufgrund Markennennung.

Getränkelieferdienste, die beinahe sofort liefern, sind mehr als praktisch. Zwei Anbieter expandieren in deutschen Großstädten gerade exzessiv um die Wette: Flaschenpost und Durstexpress. Wir haben beide getestet und einen klaren Sieger ermittelt.

Bis vor einiger Zeit war es für so manchen Stadtbewohner nicht ganz einfach, sich mit Getränken zu bevorraten. Mangels Parkplatz in Wohnungsnähe – in Innenstädten eine überaus seltene Spezies – oder Auto – in Innenstädten oft nicht wirtschaftlich – wurde der Kauf von Getränkekisten zu einem mehr oder minder sportlich-unmöglichem Unterfangen. Die Mindestbestellmengen der örtlichen Getränkelieferdienste erforderten entweder die regelmäßige Durchführung feuchtfröhlicher Partys und exzessiver Saufgelage. Zumindest, wenn der überwiegend puristisch lebende Stadtmensch seinen Durst primär mit schnödem Hamburger Wasser aus der Leitung stillt und der Getränkebedarf darüber hinaus schlichtweg haushaltsüblich ist.

Mit Flaschenpost kam die Rettung. Binnen spätestens 2 Stunden nach Online-Bestellung konnten fortan auch Kleinverbraucher in den Genuss des bequemen Lieferservice kommen. Bald darauf folgte mit Durstexpress schließlich der erste Konkurrent mit beinahe identischem Angebot und Versprechen.

Erfahrungsbericht – die Getränkelieferdienste im Vergleich

Dreimal wurde bei Flaschenpost, dreimal bei Durstexpress bestellt.

Bestellung

Die Flaschenpost-Bestellung erfolgte entweder über die Website oder Flaschenpost-App – beide Varianten funktionierten ohne jegliche Probleme. Bei Durstexpress kann nur über die Website geordert werden, die im direkten Vergleich eher benutzerunfreundlich wirkt. Die Bestellbestätigungen versenden beide Lieferdienste per E-Mail.

Sieger: Flaschenpost

Zahlung

Während Flaschenpost u. a. die bequeme Zahlung per Lastschrifteinzug anbietet, sind die getesteten Zahlvarianten von Durstexpress offenbar an diverse Dienstleister (Crefopay und Klarna) outgesourct. Das führt nicht nur zu kundenseitigem Mehraufwand, sondern auch einer Flut an E-Mails.

Sieger: Flaschenpost

Lieferprozess

Nach der Bestellung kann der Lieferstatus bei Flaschenpost verfolgt werden; der Kunde erfährt, wie viele Kunden der Fahrer zuvor noch beliefert. Wer noch kurz zum Briefkasten muss oder fix andere Dinge zu erledigen hat, kann entsprechend planen. Durstexpress-Kunden    

Sieger: Flaschenpost

Pünktlichkeit

Das Versprechen einer Lieferung binnen 120 Minuten ist durchaus sportlich. Flaschenpost schaffte es zweimal ganz komfortabel binnen dieses Zeitfensters zu liefern. Die letztlich rund 20 Minuten verspätete Lieferung wurde rechtzeitig per E-Mail kommuniziert. Durstexpress verspätete sich bei allen drei Bestellungen durchaus reichlich – eine Info dazu blieb aus.

Sieger: Flaschenpost

Fahrer

Zwei von drei Flaschenpost-Fahrern waren sehr nett, einer eher etwas grummelig, aber dennoch nicht wirklich unhöflich. Der Fahrer der ersten Durstexpress-Lieferung war zwar freundlich aber gänzlich unwissend in Sachen Leerguterfassung. Mit viel kundenseitigem Support inkl. Kurzvortrag über den grundsätzlichen Unterschied von Einweg- und Mehrwegpfand gelang es ihm irgendwann, dieses korrekt in das mobile Gerät einzugeben. Aufgrund der sog. kontaktlosen Lieferung ob Corona gab es keinen direkten Kontakt zu den beiden anderen Durstexpress-Lieferanten, von welchen einer leider darauf vergas, das zurückgenommene Leergut zu erfassen.

Sieger: Flaschenpost

Kundenservice/Reklamationen

Bei Flaschenpost klappte bislang alles reibungslos, entsprechend kam es zu keinem direkten Kontakt. Die Reklamation bei Durstexpress, ob der nicht berücksichtigten Pfandrückgabe, verläuft unerfreulich. Zwei E-Mails (binnen 10 Tagen) blieben ohne jegliche Reaktion, die in einem Anruf – 15 Minuten Warteschleife – diesbezüglich zugesicherte Gutschrift wurde bis dato (Tag 5 nach Telefonat) nicht übersandt.

Sieger: k. A.

Preisniveau

GUTSCHEIN – spare 15 Euro bei Deiner Durstexpress-Bestellung!
Rabattcode: GA15PV4R

Gutscheinbedingungen: Der 15€ Gutscheincode ist gültig bis zum 15.12.2020 und gilt ab einem Mindestbestellwert von 30 Euro (ohne Pfand). Der Code ist nicht anwendbar auf bereits rabattierte Produkte. Gilt für alle Standorte in Deutschland. Nur so lange der Vorrat reicht. Gutscheineinlösung: Im Bestellprozess den Gutscheincode in die Maske „Rabattcode anwenden“ einfügen.

Die Preise bewegen sich bei beiden Anbietern etwa auf Getränkemarktniveau. Durstexpress ist geringfügig günstiger als Flaschenpost.

Sieger: Durstexpress

Klarer Gesamtsieger: Flaschenpost! (Foto: Flaschenpost)

Fazit

Möglicherweise zahlt man bei Flaschenpost tatsächlich ein oder zwei Euro je Getränkekiste mehr als bei Durstexpress. Dafür gibt’s allerdings ein benutzerfreundliches Shopsystem, unaufwändige Zahlungsabwicklung und eine ganze Menge Pünktlichkeit. Rechnet man das durch Durstexpress nicht berücksichtigte Pfand gegen, spart man dennoch. Vor allem auch Nerven. Der überlegene Gesamtsieg geht somit an Flaschenpost.    


Keinen Plan. Aber die Haare schön.

Die Reisebranche kämpft in der Krise ums nackte Überleben. Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, hat hingegen ganz eigene Prioritäten.

Die deutsche Reise- und Tourismusbranche ist massiv von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Unzählige Hotels stehen seit Wochen leer, Reisebusse stehen unbewegt in ihren Garagen, an den Flughäfen herrscht gespenstische Stille. Rund drei Millionen Beschäftigte, beinahe 7 Prozent aller Arbeitsplätze im Land, sind von der sogenannten Krise, die für sie längst zu weit mehr als nur eine solche ist. Unzählige Betriebe und Existenzen sind akut bedroht und man möchte beinahe dankbar sein, dass sich ein Tourismusbeauftragter in den Reihen der Regierung tummelt.

Mit einem Jahresumsatz von 290 Milliarden Euro (2015 – siehe Studie des Wirtschaftsministeriums und des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland“) war die Tourismusbranche bislang überwiegend ein ausgesprochen pflegeleichter Selbstläufer, der die eigenen Interessen stets souverän zu vertreten wusste. Möglicherweise lag es darum im April 2018 nahe, den Posten des Tourismusbeauftragten gefällig zu vergeben. Oder aber, manch einer kennt das aus der freien Wirtschaft, die Position schlicht schadensbegrenzend zu besetzen. Will heißen mit einem Mitarbeiter der Kategorie „zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen“, der nun mal da ist und vielleicht, zu allem Elend, ob langjähriger Betriebszugehörigkeit, traditionell Anspruch auf Beförderung hat.

Kompetenz dürfte neben dem Parteibuch eher keine Rolle bei der Auswahl gespielt haben. Vielleicht aber die Frisur..? Sein eigenes Haupthaar und dessen perfekter Sitz scheint für den aktuellen Tourismusbeauftragten Thomas Bareiß nämlich allerhöchste Priorität zu haben. Aber nun gut, wer ohrenscheinlich gänzlich unfähig ist – selbst beim Ablesen – flüssig zu sprechen, dem gönnte man natürlich gerne die eitle Freude über 80er-Jahre Fönwellen. Wobei, das Sprachfiasko könnte durchaus auch Taktik sein. Wer es schafft, durch konsequent stottriges Genuschel dem eigentlich ganz wunderbaren schwäbischen Dialekt jegliche Sympathien zu verhehlen – und dazu gehört wirklich einiges – dem gelingt es damit selbstredend (sic!) auch, über fehlende Inhalte und mangelnde Kompetenz hinweg zu täuschen. Halbwegs jedenfalls, denn wer wie Bareiß die Baleareninsel Mallorca als „klassisches Urlaubsland“ bezeichnet und über Urlaub „in“ Mallorca schwadroniert, legt bereits damit fatale Bildungslücken an den Tag.   

Es wäre allerdings grob unfair, den Tourismusbeauftragten auf eine potenzielle Sprachbehinderung zu reduzieren, die möglicherweise Substanz vereitelt. Blicken wir also auf die Inhalte des digitalen Treibens – die nur leider der Inkompetenz des Sprachfiasko in nichts nachstehen.

Bei Facebook schreibt Bareiß am 1. Mai nicht nur ausgesprochen holprig, sondern u. a. von „unserer Boing Produktion“, womit er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Flugzeugbauer Boeing meint. Bei dem es sich – und das dürfte selbst den schummrigsten Kerzen auf den Torten dieser Welt bekannt sein – um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt, das in den USA produziert, wenngleich, das sei der Vollständigkeit halber angemerkt, die Endmontage teilweise nach China ausgelagert wurde.

Theoretisch ist sich Bareiß der Probleme bewusst. Praktisch scheitert er an nicht nur an Wissensdefiziten, wie die „Boing Produktion“ eindrucksvoll beweist.

Möglicherweise findet sich im Tweet vom 27. März ein Ansatz zur Lösung, in welchem wir erfahren, dass „Telefon und Kaffee“ die wichtigsten Arbeitsmittel des Thomas Bareiß sind. Ich persönlich wäre ja sehr für das „Arbeitsmittel“ Hirn und dessen unbedingte Aktivierung vor jeglichen Aktionen – dann wäre sehr wahrscheinlich auch keine Telefonnummer inkl. Durchwahl aus dem Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht worden – aber ach, was weiß denn ich schon.

Bareißsches Durchwahlwhistleblowing – mittlerweile gelöscht. Und im Screenshot selbstverständlich unkenntlich gemacht.

Ein weiterer Tweet vom 2. Mai, von Bareiß zu nachtschlafender Zeit um 2.21 Uhr abgesetzt, erinnert ein wenig an „SMS von letzter Nacht“. Ein Buch, das sich vor etwa einem Jahrzehnt großer Popularität erfreute, enthielt es doch eine ansehnliche Sammlung recht kurioser SMS, die für zuverlässige Lacher sorgte. Der hochgradig rechtschreibfehlerträchtige Tweet des Tourismusbeauftragten Bareiß dürfte schon allein aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen jedoch sehr wahrscheinlich nicht während einer alkohollastigen Party entstanden sein, wie so einige der launigen SMS im bezeichneten Buch. Vor allem aber, auch wenn der Beitrag auf Twitter mittlerweile gelöschte wurde, blieb dem geneigten Leser ob der kruden nächtlichen Gedankengänge möglicherweise ohnehin das Lachen im Halse stecken, während der ein oder anderen Lateiner sich wohl unweigerlich an den griechischen Lyriker Alkaios von Lesbos erinnert haben dürfte.

Da war wohl nicht nur die iPhone-Autokorrektur etwas out of order. Mittlerweile gelöscht.

Es ist aber auch ein Dilemma, wenn augenscheinliche Bildungslücken und eine erschreckend desaströse Orthographie jegliche Profilierungsversuche bereits im Ansatz vereiteln. Der gemeine Schwabe würde vermutlich dazu sagen „Höher scheißa wella, als oim dr Arsch gwachsa isch.“

Was also bleibt? Richtig, die Frisur. Und „Zack!“ wird prompt die Gunst der Stunde in Form des niedersächsischen Ministerpräsidenten genutzt, der endlich mal eine passable Vorlage gibt. Selbstverständlich pariert Bareiß mit Bildbeweis.

Man(n) muss einfach Prioritäten setzen.

Auch auf das „nette Portrait“ in der FAZ ist Bareiß mächtig stolz und belegt dieses mit einem weiteren Fotobeweis, der außer dem Konterfei des Tourismusbeauftragten nicht viel bietet.

Große Freude! Ein Portät! Ein Porträt! Und dann noch in der FAZ!

Für Thomas Bareiß ist die schlimmste Phase der Pandemie mittlerweile gottlob überstanden – er war endlich wieder beim Friseur.   

Ohne Worte!

Die Reisebranche hingegen – immerhin rund 11.000 Reisebüros und 3.000 Reiseveranstalter – wartet derweil weiterhin vergeblich und zusehends verzweifelt auf Unterstützung. Doch alle Forderungen nach Hilfe laufen bei Bareiß ebenso konsequent ins Leere, wie die Warnungen vor der akut drohenden Massenarbeitslosigkeit im deutschen Tourismusgewerbe.

Nie war ein Tourismusbeauftragter in Deutschland wichtiger als gerade jetzt – und nie ein Totalausfall offensichtlicher und katastrophaler als Thomas Bareiß in den letzten Wochen. Es ist längst mehr als überfällig, den offenkundig gnadenlos eitlen und maximal selbstverliebten Tourismusbeauftragte durch einen klugen und engagierten Kopf zu ersetzen, dem Selbstdarstellung nicht über die Existenz von tausenden von Menschen geht. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja bspw. in der Friseurinnung eine neue adäquate Herausforderung für Bareiß, die seinen tatsächlichen Neigungen und Interessen deutlich besser entspricht.

Corona-Soforthilfe ohne Freibeträge – auf tote Pferd wetten

Die aktuelle Corona-Soforthilfe ist ein Rettungsschirm, der nur die Nassen vor dem Nasswerden schützt. Die Trockenen hingegen lässt er im Regen stehen.

„Wir lassen niemand allein“ skandieren Peter Altmaier und Kollegen, wenn sie sich selbst nicht müde werdend, für das eilig geklöppelte Hilfspaket loben. Die rasche Umsetzung von Hilfsmaßnahmen ist in der Tat lobenswert, täuscht jedoch nicht über desaströse Schwächen hinweg. Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht.

Die Soforthilfe, der vermeintliche Rettungsschirm für Selbstständige, entpuppt sich bei näherer Betrachtung keinesfalls als die propagierte Überlebenshilfe. Vielmehr dürfte sie in den meisten Fällen nicht viel mehr als eine leidensverlängernde Maßnahme nicht tragfähiger Geschäftsmodelle sein. Anspruch auf Soforthilfe im Rahmen des Corona-Hilfspaketes besteht offenbar ausschließlich für prekär Selbstständige.

„Vor Inanspruchnahme der Soforthilfe ist verfügbares liquides Privatvermögen einzusetzen.“   

Selbstständige, die über Rücklagen verfügen, haben keinen Anspruch auf Soforthilfe. Erst wenn das „verfügbare liquide Privatvermögen“ des Selbstständigen vollends erschöpft ist, kann sich auch dieser unter dem Rettungsschirm ein trockenes Plätzchen suchen. Sofern denn dann noch ein solches vorhanden sein sollte.

Die Voraussetzung der Null-Liquidität widerspricht jeglicher wirtschaftlicher Vernunft. Wer verantwortlich selbstständig tätig ist, wessen Geschäftsmodell funktioniert, der bildet selbstverständlich und aus sehr guten Gründen Rücklagen. Nur die Altersvorsorge bei der Überprüfung hinsichtlich eines möglichen Anspruchs auf Soforthilfe außen vor zu lassen greift zu kurz und gefährdet die gesunde Existenz ebenso massiv wie unnötig.  

Nur einige Beispiele, weshalb Selbstständige zwingend über Liquiditätsreserven verfügen müssen:  

  • Beschaffung von Arbeitsmaterialien
  • Ersatzbeschaffung von defekten Arbeitsmitteln
  • Auftragsschwankungen
  • Projektlaufzeiten
  • Zahlungsausfälle
  • Vorleistung/Auslagen
  • Selbstbeteiligung der PKV
  • Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Krankheit

Rein private Risiken, wie beispielsweise die kaputte Waschmaschine oder der defekte Kühlschrank, kommen insbesondere bei Solo-Selbständigen on Top dazu.

Die aktuelle Regelung der Corona-Soforthilfe, die Selbstständigen keinerlei Freibeträge zugesteht, ist grundfalsch und gnadenlos existenzbedrohend. Es dürfte mehr als naiv sein zu glauben, binnen kurzen Zeit nach Beendigung der gegenwärtigen Einschränkungen könne jedweder Geschäftsbetrieb wieder auf Hochtouren laufen. Wenn nun die Soforthilfen ausschließlich an ohnehin klamme Unternehmungen fließen, kommt das dem sprichwörtlichen Reiten des toten Pferdes gleich. Die gegenwärtige Ausarbeitung verlängert einerseits Sterbeprozesse künstlich, während im selben Zuge wirtschaftlich tragfähigen Modelle durch unterlassene Hilfeleistung in einen unrettbaren Zustand gedrängt werden.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Soforthilfe in der durchaus gebotenen Eile zwar gut gemeint, jedoch weder gründlich noch überhaupt zu Ende gedacht wurde. Wer stolz wie Bolle darüber entscheidet, finanzielle Hilfen aus ihm nicht eigenen Geldern auszuschütten, der muss sich klüger und verantwortlicher zeigen. Und umgehend gründlich nachbessern.

Corona – Entschädigung für Selbstständige und Freiberufler

Verdienstausfall aufgrund von Corona? So machen Sie den Anspruch auf Entschädigung für Selbstständige und Freiberufler geltend.

Das Corona-Virus bestimmt gegenwärtig unseren Alltag. Bislang ist weder absehbar, über welchen Zeitraum und in welchem Umfang, geschweige denn welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden, um die Ausbreitung von CoVid-19 zu kontrollieren oder gar zu stoppen. Manche Bemühungen scheinen halbherzig, zu spät und zu kurz gedacht, zu wenig radikal. Zu rigorose Einschränkungen, seien diese auch noch so effizient, verspielen zunächst sicherlich Sympathien. Selbst dann, wenn sie Leben und Existenzen retten.  

Die ökonomischen Auswirkungen durch das Corona-Virus und das damit einhergehend wenig restriktive Krisenmanagement verunsichern zahlreiche Branchen und Unternehmen, gefährden viele von ihnen bereits jetzt massiv. Mittels Kurzarbeit werden manche von ihnen vielleicht überleben können, andere trotz staatlicher Gelder und günstiger KfW-Kredite sicher nicht.

Vor allem für Selbstständige und Freiberufler ist es derzeit immens schwierig. Auf Zeit zu spielen ist für sie beinahe unmöglich, wenn selbst die loyalsten Auftraggeber ob eigener Ungewissheit an der Kostenschraube drehen und auf maximaler Sparflamme kochen. Die Rücklagen für eine vorübergehende Auftragsflaute, Kranktage oder auch nur schnöden Urlaub sind nicht unendlich, sondern im Regelfall begrenzt. Die Situation mancher Freiberufler und Selbstständiger scheint sogar derlei prekär zu sein, als dass keinerlei Bildung von Rückstellungen möglich war.

Der Markt wird sich in den nächsten Tagen und Wochen gnadenlos bereinigen. Während der Teil der Selbstständige und Freiberuflicher mit augenscheinlich nicht tragfähige Geschäftsmodelle mittels ALG2 abgesichert sein dürften – und dies als Chance zur gänzlich neuen Orientierung nutzen kann- hofft der vorsorgende Teil auf ein schnelles Ende des momentanen Ausnahmezustands. Und darauf, selbst von einer Infektion verschont zu bleiben.

Während Angestellte und Arbeitnehmer mittels Lohnfortzahlung und Krankengeld abgesichert sind, erhalten Selbstständige und Freiberufler im Krankheitsfall nur dann Leistungen, wenn diese mittels Krankentagegeldversicherung vorgesorgt haben. Besteht die Annahme, dass eine Infektion mit dem Corona-Virus vorliegen könnte und wird durch das zuständige Gesundheitsamt Quarantäne angeordnet, existiert auch für Selbstständige und Freiberufler ein Entschädigungsanspruch für den erlittenen Verdienstausfall. Relevant ist hierfür ist § 56 IfSG (Infektionsschutzgesetz).

Das Antragprocedere ist immerhin relativ einfach. Der Nachweis der Quarantäne-Anordnung wird mit dem Einkommenssteuerbescheid des vorangegangenen Jahres und einem durchaus konsequenten Anschreiben hinsichtlich der Entschädigungsforderung direkt an das Gesundheitsamt übersandt, das den Vorgang sodann unverzüglich an die zuständige Behörde weiterleitet. Ist die Zuständigkeit bekannt – in Hamburg sind dies bspw. die jeweiligen Bezirksämter – so kann und sollte natürlich direkte Weg genutzt werden. Die Frist für die Beantragung einer Entschädigung beträgt derzeit bundesweit drei Monate.

Und wer nimmt den Hund?

Dienstag ist Kinotag. Ja, es gibt sie trotzt aller Streamingdienste noch, die Kinos und diese Tage, an welchen ein Besuch in den selbigen ein klein wenig günstiger ist. Eine gute Gelegenheit also, der Frage „Und wer nimmt den Hund?“ nachzugehen.

Der Kinosaal des stilvollen Passage-Kinos inmitten der Hamburger Altstadt war tatsächlich bis auf den letzten Platz voll. Ob das am Film, am Kinotag oder doch an der recht übersichtlichen Sitzplatzzahl (35 Plätze) lag, vermag ich nicht zu beurteilen. Martina Gedeck und Ulrich Tukur in den Hauptrollen sind jedoch zweifelsohne ein guter Grund, sich der doch recht intimen Atmosphäre und ziemlich schlechten Luft dieses wirklich klitzekleinen Saals auszusetzen.

Erwartungsgemäß brillierten sowohl Gedeck als auch Tukur im launig-dramatischen Trennungsepos. Sie duellierten sich spitzzüngig mit punktgenauer Mimik und leidenschaftlicher Hingabe, litten und stritten gleichermaßen vollendet. Der Stoff mitten aus der von einer Midlife-Crisis ordentlich geschüttelten heilen Welt der gehobenen Mittelschicht. Welche, ganz im Trend der Zeit, den Trennungsprozess bis hin zur Scheidung therapeutisch und für den Betrachter unterhaltsam begleiten lässt.

Insgesamt konnte der Film, trotz überragender Darsteller und durchaus gelungener Zeitsprünge, nicht vollends überzeugen. Die Story war leider überwiegend vorhersehbar, der junge Georg (Linkshänder) ein besetzungstechnischer Fauxpas, manche Szenen von schier epischer, definitiv aber unnötiger Länge.

Zweifelsohne großartig war jedoch, Martina Gedeck wieder einmal zu sehen. Oder vielmehr, sie eben nicht zu sehen. Denn im Gegensatz zu eben jenen Gspusis, die gerne als deutsche Schauspielerinnen gehandelt werden, spielt Gedeck keine Rolle. Gedeck ist. Ein wenig mehr Martina Gedeck täte dem deutschen Film nach meinem Dafürhalten daher überaus gut.

Hamburg liegt direkt am Meer – Tagestrip an die Ostsee

Immer wieder gibt es Hamburg-Besucher, die der felsenfesten Überzeugung sind, die Hansestadt wäre direkt am Meer. Die Information, dass es bis zur Nordsee tatsächlich noch rund 100 km elbabwärts geht, überrascht. Dennoch liegt Hamburg, großzügig betrachtet, irgendwie am Meer. Es dauert nur etwas mehr als einer Stunde, bis man die Lübecker Bucht erreicht hat und in die Fluten der Ostsee springen kann.

Wenn der Sommer mal so richtig geballt nach Hamburg kommt, sich die Wärme in den Straßen staut und von steifer Brise keine Spur ist, quillt die Stadt schier über von den hitzeträgen Körpern stöhnender Menschen. Dabei ist die Erfrischung am Meer eigentlcih ganz nahe. Vom Hauptbahnhof aus erreicht man, mit einem kurzen Aufenthalt in Lübeck, schon nach einer Fahrzeit von 1:21 den Timmendorfer Strand. Nur ein paar Minuten länger dauert es bis Scharbeutz (plus 11 Minuten) oder Haffkrug ( plus 14 Minuten).

Mit der täglich verkehrenden RE8 geht es um 9.04 Uhr zunächst in planmäßigen 44 Minuten nach Lübeck. Das Platzangebot des Regionalzuges ist im Regelfall ausreichend.. Von nur zwei Halten – in Bad Oldesloe und Reinfeld (Holstein) – unterbrochen, rauscht der Zug schon bald an Wiesen und Feldern vorbei von der einen in die andere Hansestadt. In Lübeck angekommen führt der Weg über die ausgetretenen Holzstufen von den Gleisen nach oben. Die RB85 nach Neustadt (Holstein) fährt erst in 24 Minuten, ausreichend Zeit, einmal kurz „vor die Tür“ zu gehen. Im Vergleich zum Hamburger Hauptbahnhof ist der Lübecker Bahnhof deutlich sauberer. Er bleibt es auch auf dem Vorplatz und ich vermisse den Anblick exzessiver Trinkgelage ebenso wenig wie den penetranten Uringeruch, der in der vermeintlich feineren Hansestadt längst fest etabliert ist.

Die RB85 Richtung Neustadt (Holstein) fährt um 10.12 Uhr ab und ist bei Strandwetter überaus begehrt. Es lohnt sich, frühzeitig am Gleis zu sein, um trotzt des Andrangs noch einen Sitzplatz zu ergattern, auch wenn die Klimaanlage erst bei Abfahrt ihren Betrieb aufnimmt.  Am Haltepunkt Timmendorfer Strand, der früher vermutlich ein kleiner Bahnhof mit dort arbeitenden Menschen war, leert sich die Bahn rapide. Entgegen der ursprünglichen Planung bleibe ich an Bord und fahre weiter bis Haffkrug.

Netzfund.

Das ehemalige Fischerdorf Haffkrug ist deutlich kleiner als der angesagt mondäne Timmendorfer Strand und eine der zehn Dorfschaften von Scharbeutz. Auch hier ist das kleine Bahnhofsgebäude augenscheinlich schon einen ganze Weile verwaist.

Seebrücke Haffkrug

Der Weg hinunter vom Haltepunkt zum Ostseestrand ist mit rund sieben gemütlichen Minuten erstaunlich kurz. Noch erstaunlicher aber, der erste entdeckte Strandabschnitt ist gebührenfrei. Und um dem die absolute Krone aufzusetzen: der Strand ist wunderbar sauber und gepflegt. Obwohl es bereits auf Mittag zugeht und das Thermometer emsig an der 30°-Marke kratzt gibt es reichlich Platz und sogar einen ausgewiesenen Bereich für Strandmuscheln. Wer Strandkörbe liebt wird hier natürlich ebenfalls fündig.

Sanft abfallend, reicht der Strand von Haffkrug weit hinein in die ruhige Ostsee und ermöglicht so auch nicht vollends seefesten Schwimmern puren Badespaß. Das Publikum am Strandabschnitt ist überaus angenehm; eine harmonische Melange, in der von Senioren bis hin zu kleinen Kindern alle ganz selbstverständlich ihren Platz finden und den des anderen respektieren.

Ostseeträumchen – Strand in Haffkrug mit Blick auf die Seebrücke

Einem ausgiebigen Sonnenbad, unterbrochen vom erfrischenden Bad im Brackwassermeer, folgt der Gang zur Seebrücke. Die Rettungsschwimmer der DLRG, die an ebendieser stationiert sind, schieben – durchaus aufmerksam – eine ruhige Kugel. Der Blick von der beinahe menschenleeren Brücke hinaus auf die See ist herrlich, das finden auch die Möwen, die sich diesen recht unerschrocken gönnen.

Im strahlenden Sonnenschein geht es die gepflegte Promenade von Haffkrug entlang. Neben dem gemütlichen Flanieren lässt sich dabei auch einiges zu Land, Leuten und Geschichte erfahren. Verschiedene Naturstationen, Teil des EU-Projekts „Grün-blaue Touren“, entlang des Weges geben einen ebenso interessanten wie verständlichen Einblick in die regionale Tier- und Pflanzenwelt.

Ein kleines Hüngerchen vereitelt vorerst jedoch das spannende Wissen, das bis nach Scharbeutz reichenden Naturstationen unterhaltsam zu vermitteln haben. So näherte ich mich den Meeresbewohnern ganz pragmatisch-kulinarisch an. Mit einem wirklich verdammt leckeren Aalbrötchen, das in einer eher unscheinbaren „Fischbrötchenbude“, direkt rechts neben dem Restaurant „Fischerhaus“ (Strandallee 31), ganz frisch belegt wurde. Göttlich!

Aalter, wie unglaublich lecker! Aalbrötchen an isotonischem Durstlöscher.

Haffkrug ist ein echtes Kleinod an der Ostseeküste, das wenig Schicki-Micki, dafür aber um so mehr echte Entschleunigung im Portfolio hat. Und definitiv einen Besuch wert. Schon die eintägige Auszeit von der Großstadthitze hat sich mehr als gelohnt.

Tipp

Statt das eigene Auto zu bemühen, lässt sich Haffkrug binnen kürzester Zeit mit der Bahn erreichen. Mit dem Schleswig-Holstein-Ticket (montags bis freitags ab 9 Uhr bis 3 Uhr am nächsten Tag; samstags, sonntags und an Feiertagen ganztägig gültig) bereits für günstige 29 Euro als Einzelreisende, jede weitere mitreisende Person (bis max. 5) zahlt nur jeweils 3 Euro mehr.      

Regenbogenzebrastreifen St. Georg – eine Posse in x Akten

Während das Bezirksamt Mitte, resp. die Auskunft gebende Pressestelle des bezeichneten Amtes, beharrlich auf der Rechtmäßigkeit der sog. „Regenbogenzebrastreifen“ in St. Georg besteht, zumindest aber weitere Auskünfte verweigert, wird nun offenbar dennoch einer angeblichen Aufforderung der Innenbehörde nachgekommen; die Streifen werden gedreht. Das macht die Sache zwar nicht rechtskonformer, lediglich anders, aber ein Genosse hackt dem anderen ja bekanntlich selten ein Auge aus.

Fahrbahnmarkierungstruppe

Drei wackere Männer eines Fahrbahnmarkierungsunternehmen rückten in den Morgenstunden des heutigen Tages mit allerlei Gerätschaften und Farben in der Danziger-, Ecke Rostocker Straße an. Es wurde geklebt und gemalt und getrocknet und gewartet und gemalt und getrocknet und gewartet. Diesmal allerdings gänzlich ohne frenetisch feiernde SPD-Akteure wie Bezirksamtsleiter Falko Droßmann oder einen umtriebigen Oliver Sträter. Verständlich, denn wirklich zu feiern gab und gibt es nichts.

Manche treiben’s bunt.

In Kenntnis des Arbeitsaufwandes einer solchen Straßenbemalung lässt nunmehr auch den Schluss zu, dass die von der Pressestelle des Bezirksamts Mitte im Juni kommunizierten Kosten i. H. von rund 1.200 Euro (vorbehaltlich Endabrechnung) sich lediglich auf einen „Regenbogenzebrastreifen“ beziehen. Bei insgesamt acht Stück und der nun erfolgten Drehung summiert sich das zweifelhafte Projekt somit auf stolze 19.200 Euro. Bestritten aus allgemeinen Straßenunterhaltungsmitteln.

Die Summe wäre durchaus gerechtfertigt, würden mit ihr rechtssichere Maßnahmen  finanziert, die für Kinder wie Senioren ein Mehr an Sicherheit brächten. Beispielsweise „echte“ Zebrastreifen. Denn ungeachtet dessen, ob die derzeitigen bunten Streifen nun längs oder quer auf die Fahrbahn aufgebracht werden, entsprechen diese Ansicht eines fachkundigen Juristen „hinsichtlich ihrer Ausführung nicht den für Markierung von Straßen (RMS) Vgl. VwV StVO Zu den §§ 39 bis 43 Allgemeines über Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen IV. Allgemeines über Markierungen. 49 1. Markierungen sind grundsätzlich nach den Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) auszuführen.“ Kurzum: trotz neuer Ausrichtung ist der Regenbogen rechtlich unzulässig.

„Natürlich gab es für die Regenbogenstreifen keine straßenverkehrsbehördliche Anordnung – wie es korrekt heißt- aber das war ja gerade der Hintergrund der Aktion.“

Pressestelle Bezirksamt Hamburg Mitte

Leider scheinen die zuständigen Mitarbeiter im Bezirksamt Mitte nicht vollends informiert zu sein. Durch die Pressestelle lassen sie mitteilen „In Tempo 30 Zonen dürfen keine Zebrastreifen mehr eingesetzt werden.“ Derlei ist, wie im vorangegangenen Artikel bereits dargestellt, schlicht falsch und dies ist u. a. in Drucksache 18/6572 der Bürgerschaft aus dem Jahr 2007 zweifelsfrei ersichtlich. Auf beide Fehlauskünfte aufmerksam gemacht, schweigt die Pressestelle seit nunmehr drei Wochen.

Loyalität ist im Grunde überaus ehrenwert, wider jeglicher Moral allerdings unethisch. Das stoische Schweigen, das Aussitzen von Fehlern, das Hoffen auf Vergessen ist schlicht unmoralisch. Wenn die Sicherheit von Kindern im Wahlkampf zum Selbstzweck instrumentalisiert wird, statt eine mögliche Lösung umzusetzen, ist dies politisch äußerst schlechter Stil. Wird das unaufrichtige Schauspiel allerdings in schier besessener Selbstherrlichkeit fortgesetzt, dann ist das nicht weniger als vorsätzlicher Betrug an den Bürgern dieser Stadt.

Regenbogenzebrastreifen - eine Lokalpolitposse
Statement – Verfasser unbekannt – am Regenbogenzebrastreifen. Ohne Kontext.

Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea

Über Nordkorea wird viel geschrieben. Meist unter Verwendung von Adjektiven wie „vermeintlich“ und „angeblich“. Der Reisebericht von Christian Eisert ist angenehm anders.

Spätestens mit dem Treffen von Kim Jong Un und Donald Trump am 12. Juni 2018 in Singapur ist das weltweite Interesse an Nordkorea wieder neu erwacht. Christian Eisert interessierte sich schon sehr lange davor für dieses Land. Mindestens seit 1988, als ihm in der seinerzeitigen DDR eine Delegation der KDVR (Koreanische Volksdemokratische Republik) mitsamt eines Fotos einer regenbogenfarbenen Wasserrutsche begegneten. Rund 25 Jahre später machte er sich auf die Reise nach Nordkorea (nunmehr DVRK Demokratische Volksrepublik Korea), um diese ihm unvergessene Rutsche zu suchen.

Mit Reiseberichten geht gemeinhin eine schier epische Abhandlung von Zahlen, Sehenswürdigkeiten und Orten einher, mit Literatur zu Nordkorea eine ziemlich exakt vorgefertigte Meinung des Verfassers. Eisert bricht gleich mit beiden ungeschriebenen Gesetzen. Seine Erzählung ist ebenso kurzweilig wie unterhaltsam, dennoch aber gespickt mit allerlei geschichtlichen Hintergründen. Er berichtet lebendig von allerlei ihm und seiner Reisebegleitung skurril erscheinenden Situationen und Begebenheiten, ohne allerdings den moralischen Zeigefinger unablässig helikoptergleich über dem Leser kreisen zu lassen.  

Eisert schreibt – schon von Berufswegen – überaus launig. Auch bei seinem Reisebericht macht er keine Ausnahme, allerdings verzichtet er dabei konsequent darauf, sein Gastgeberland dabei lächerlich zu machen. Er erkennt und benennt durchaus Unterschiede, verhöhnt diese jedoch nicht. Eisert respektiert die Gepflogenheiten seiner Gastgeber und die besondere Situation des Landes, u. a. bezüglich verschiedenster Sanktionen. Manchmal wundert er sich, manchmal schmunzelt er über Situationen, aber niemals in böser Manier. Und wie wohltuend in diesen Tagen, kommt er völlig umhin, sich selbst zum Weltweisen aus Berlin zu ernennen und ungefragt vermeintlich kluge Ratschläge zu geben.

Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea vereitelt dennoch meine wirklich gern gemachte Reise nach Nordkorea. Im Moment jedenfalls. Denn ein solch straffes Besichtigungsprogramm, welches für Touristen vorgesehen ist, widerspricht schlicht meiner ganz persönlichen Art der Urlaubsgestaltung. Weshalb ich übrigens auch niemals eine Kreuzfahrt machen werde. Nordkorea konnte ich Dank Christian Eisert dennoch fast hautnah erleben. Daher, auch wenn das Werk schon stolze fünf Jahre auf dem Buchrücken hat, absolute Leseempfehlung.