Und wer nimmt den Hund?

Dienstag ist Kinotag. Ja, es gibt sie trotzt aller Streamingdienste noch, die Kinos und diese Tage, an welchen ein Besuch in den selbigen ein klein wenig günstiger ist. Eine gute Gelegenheit also, der Frage „Und wer nimmt den Hund?“ nachzugehen.

Der Kinosaal des stilvollen Passage-Kinos inmitten der Hamburger Altstadt war tatsächlich bis auf den letzten Platz voll. Ob das am Film, am Kinotag oder doch an der recht übersichtlichen Sitzplatzzahl (35 Plätze) lag, vermag ich nicht zu beurteilen. Martina Gedeck und Ulrich Tukur in den Hauptrollen sind jedoch zweifelsohne ein guter Grund, sich der doch recht intimen Atmosphäre und ziemlich schlechten Luft dieses wirklich klitzekleinen Saals auszusetzen.

Erwartungsgemäß brillierten sowohl Gedeck als auch Tukur im launig-dramatischen Trennungsepos. Sie duellierten sich spitzzüngig mit punktgenauer Mimik und leidenschaftlicher Hingabe, litten und stritten gleichermaßen vollendet. Der Stoff mitten aus der von einer Midlife-Crisis ordentlich geschüttelten heilen Welt der gehobenen Mittelschicht. Welche, ganz im Trend der Zeit, den Trennungsprozess bis hin zur Scheidung therapeutisch und für den Betrachter unterhaltsam begleiten lässt.

Insgesamt konnte der Film, trotz überragender Darsteller und durchaus gelungener Zeitsprünge, nicht vollends überzeugen. Die Story war leider überwiegend vorhersehbar, der junge Georg (Linkshänder) ein besetzungstechnischer Fauxpas, manche Szenen von schier epischer, definitiv aber unnötiger Länge.

Zweifelsohne großartig war jedoch, Martina Gedeck wieder einmal zu sehen. Oder vielmehr, sie eben nicht zu sehen. Denn im Gegensatz zu eben jenen Gspusis, die gerne als deutsche Schauspielerinnen gehandelt werden, spielt Gedeck keine Rolle. Gedeck ist. Ein wenig mehr Martina Gedeck täte dem deutschen Film nach meinem Dafürhalten daher überaus gut.

Hamburg liegt direkt am Meer – Tagestrip an die Ostsee

Immer wieder gibt es Hamburg-Besucher, die der felsenfesten Überzeugung sind, die Hansestadt wäre direkt am Meer. Die Information, dass es bis zur Nordsee tatsächlich noch rund 100 km elbabwärts geht, überrascht. Dennoch liegt Hamburg, großzügig betrachtet, irgendwie am Meer. Es dauert nur etwas mehr als einer Stunde, bis man die Lübecker Bucht erreicht hat und in die Fluten der Ostsee springen kann.

Wenn der Sommer mal so richtig geballt nach Hamburg kommt, sich die Wärme in den Straßen staut und von steifer Brise keine Spur ist, quillt die Stadt schier über von den hitzeträgen Körpern stöhnender Menschen. Dabei ist die Erfrischung am Meer eigentlcih ganz nahe. Vom Hauptbahnhof aus erreicht man, mit einem kurzen Aufenthalt in Lübeck, schon nach einer Fahrzeit von 1:21 den Timmendorfer Strand. Nur ein paar Minuten länger dauert es bis Scharbeutz (plus 11 Minuten) oder Haffkrug ( plus 14 Minuten).

Mit der täglich verkehrenden RE8 geht es um 9.04 Uhr zunächst in planmäßigen 44 Minuten nach Lübeck. Das Platzangebot des Regionalzuges ist im Regelfall ausreichend.. Von nur zwei Halten – in Bad Oldesloe und Reinfeld (Holstein) – unterbrochen, rauscht der Zug schon bald an Wiesen und Feldern vorbei von der einen in die andere Hansestadt. In Lübeck angekommen führt der Weg über die ausgetretenen Holzstufen von den Gleisen nach oben. Die RB85 nach Neustadt (Holstein) fährt erst in 24 Minuten, ausreichend Zeit, einmal kurz „vor die Tür“ zu gehen. Im Vergleich zum Hamburger Hauptbahnhof ist der Lübecker Bahnhof deutlich sauberer. Er bleibt es auch auf dem Vorplatz und ich vermisse den Anblick exzessiver Trinkgelage ebenso wenig wie den penetranten Uringeruch, der in der vermeintlich feineren Hansestadt längst fest etabliert ist.

Die RB85 Richtung Neustadt (Holstein) fährt um 10.12 Uhr ab und ist bei Strandwetter überaus begehrt. Es lohnt sich, frühzeitig am Gleis zu sein, um trotzt des Andrangs noch einen Sitzplatz zu ergattern, auch wenn die Klimaanlage erst bei Abfahrt ihren Betrieb aufnimmt.  Am Haltepunkt Timmendorfer Strand, der früher vermutlich ein kleiner Bahnhof mit dort arbeitenden Menschen war, leert sich die Bahn rapide. Entgegen der ursprünglichen Planung bleibe ich an Bord und fahre weiter bis Haffkrug.

Netzfund.

Das ehemalige Fischerdorf Haffkrug ist deutlich kleiner als der angesagt mondäne Timmendorfer Strand und eine der zehn Dorfschaften von Scharbeutz. Auch hier ist das kleine Bahnhofsgebäude augenscheinlich schon einen ganze Weile verwaist.

Seebrücke Haffkrug

Der Weg hinunter vom Haltepunkt zum Ostseestrand ist mit rund sieben gemütlichen Minuten erstaunlich kurz. Noch erstaunlicher aber, der erste entdeckte Strandabschnitt ist gebührenfrei. Und um dem die absolute Krone aufzusetzen: der Strand ist wunderbar sauber und gepflegt. Obwohl es bereits auf Mittag zugeht und das Thermometer emsig an der 30°-Marke kratzt gibt es reichlich Platz und sogar einen ausgewiesenen Bereich für Strandmuscheln. Wer Strandkörbe liebt wird hier natürlich ebenfalls fündig.

Sanft abfallend, reicht der Strand von Haffkrug weit hinein in die ruhige Ostsee und ermöglicht so auch nicht vollends seefesten Schwimmern puren Badespaß. Das Publikum am Strandabschnitt ist überaus angenehm; eine harmonische Melange, in der von Senioren bis hin zu kleinen Kindern alle ganz selbstverständlich ihren Platz finden und den des anderen respektieren.

Ostseeträumchen – Strand in Haffkrug mit Blick auf die Seebrücke

Einem ausgiebigen Sonnenbad, unterbrochen vom erfrischenden Bad im Brackwassermeer, folgt der Gang zur Seebrücke. Die Rettungsschwimmer der DLRG, die an ebendieser stationiert sind, schieben – durchaus aufmerksam – eine ruhige Kugel. Der Blick von der beinahe menschenleeren Brücke hinaus auf die See ist herrlich, das finden auch die Möwen, die sich diesen recht unerschrocken gönnen.

Im strahlenden Sonnenschein geht es die gepflegte Promenade von Haffkrug entlang. Neben dem gemütlichen Flanieren lässt sich dabei auch einiges zu Land, Leuten und Geschichte erfahren. Verschiedene Naturstationen, Teil des EU-Projekts „Grün-blaue Touren“, entlang des Weges geben einen ebenso interessanten wie verständlichen Einblick in die regionale Tier- und Pflanzenwelt.

Ein kleines Hüngerchen vereitelt vorerst jedoch das spannende Wissen, das bis nach Scharbeutz reichenden Naturstationen unterhaltsam zu vermitteln haben. So näherte ich mich den Meeresbewohnern ganz pragmatisch-kulinarisch an. Mit einem wirklich verdammt leckeren Aalbrötchen, das in einer eher unscheinbaren „Fischbrötchenbude“, direkt rechts neben dem Restaurant „Fischerhaus“ (Strandallee 31), ganz frisch belegt wurde. Göttlich!

Aalter, wie unglaublich lecker! Aalbrötchen an isotonischem Durstlöscher.

Haffkrug ist ein echtes Kleinod an der Ostseeküste, das wenig Schicki-Micki, dafür aber um so mehr echte Entschleunigung im Portfolio hat. Und definitiv einen Besuch wert. Schon die eintägige Auszeit von der Großstadthitze hat sich mehr als gelohnt.

Tipp

Statt das eigene Auto zu bemühen, lässt sich Haffkrug binnen kürzester Zeit mit der Bahn erreichen. Mit dem Schleswig-Holstein-Ticket (montags bis freitags ab 9 Uhr bis 3 Uhr am nächsten Tag; samstags, sonntags und an Feiertagen ganztägig gültig) bereits für günstige 29 Euro als Einzelreisende, jede weitere mitreisende Person (bis max. 5) zahlt nur jeweils 3 Euro mehr.      

Regenbogenzebrastreifen St. Georg – eine Posse in x Akten

Während das Bezirksamt Mitte, resp. die Auskunft gebende Pressestelle des bezeichneten Amtes, beharrlich auf der Rechtmäßigkeit der sog. „Regenbogenzebrastreifen“ in St. Georg besteht, zumindest aber weitere Auskünfte verweigert, wird nun offenbar dennoch einer angeblichen Aufforderung der Innenbehörde nachgekommen; die Streifen werden gedreht. Das macht die Sache zwar nicht rechtskonformer, lediglich anders, aber ein Genosse hackt dem anderen ja bekanntlich selten ein Auge aus.

Fahrbahnmarkierungstruppe

Drei wackere Männer eines Fahrbahnmarkierungsunternehmen rückten in den Morgenstunden des heutigen Tages mit allerlei Gerätschaften und Farben in der Danziger-, Ecke Rostocker Straße an. Es wurde geklebt und gemalt und getrocknet und gewartet und gemalt und getrocknet und gewartet. Diesmal allerdings gänzlich ohne frenetisch feiernde SPD-Akteure wie Bezirksamtsleiter Falko Droßmann oder einen umtriebigen Oliver Sträter. Verständlich, denn wirklich zu feiern gab und gibt es nichts.

Manche treiben’s bunt.

In Kenntnis des Arbeitsaufwandes einer solchen Straßenbemalung lässt nunmehr auch den Schluss zu, dass die von der Pressestelle des Bezirksamts Mitte im Juni kommunizierten Kosten i. H. von rund 1.200 Euro (vorbehaltlich Endabrechnung) sich lediglich auf einen „Regenbogenzebrastreifen“ beziehen. Bei insgesamt acht Stück und der nun erfolgten Drehung summiert sich das zweifelhafte Projekt somit auf stolze 19.200 Euro. Bestritten aus allgemeinen Straßenunterhaltungsmitteln.

Die Summe wäre durchaus gerechtfertigt, würden mit ihr rechtssichere Maßnahmen  finanziert, die für Kinder wie Senioren ein Mehr an Sicherheit brächten. Beispielsweise „echte“ Zebrastreifen. Denn ungeachtet dessen, ob die derzeitigen bunten Streifen nun längs oder quer auf die Fahrbahn aufgebracht werden, entsprechen diese Ansicht eines fachkundigen Juristen „hinsichtlich ihrer Ausführung nicht den für Markierung von Straßen (RMS) Vgl. VwV StVO Zu den §§ 39 bis 43 Allgemeines über Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen IV. Allgemeines über Markierungen. 49 1. Markierungen sind grundsätzlich nach den Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) auszuführen.“ Kurzum: trotz neuer Ausrichtung ist der Regenbogen rechtlich unzulässig.

„Natürlich gab es für die Regenbogenstreifen keine straßenverkehrsbehördliche Anordnung – wie es korrekt heißt- aber das war ja gerade der Hintergrund der Aktion.“

Pressestelle Bezirksamt Hamburg Mitte

Leider scheinen die zuständigen Mitarbeiter im Bezirksamt Mitte nicht vollends informiert zu sein. Durch die Pressestelle lassen sie mitteilen „In Tempo 30 Zonen dürfen keine Zebrastreifen mehr eingesetzt werden.“ Derlei ist, wie im vorangegangenen Artikel bereits dargestellt, schlicht falsch und dies ist u. a. in Drucksache 18/6572 der Bürgerschaft aus dem Jahr 2007 zweifelsfrei ersichtlich. Auf beide Fehlauskünfte aufmerksam gemacht, schweigt die Pressestelle seit nunmehr drei Wochen.

Loyalität ist im Grunde überaus ehrenwert, wider jeglicher Moral allerdings unethisch. Das stoische Schweigen, das Aussitzen von Fehlern, das Hoffen auf Vergessen ist schlicht unmoralisch. Wenn die Sicherheit von Kindern im Wahlkampf zum Selbstzweck instrumentalisiert wird, statt eine mögliche Lösung umzusetzen, ist dies politisch äußerst schlechter Stil. Wird das unaufrichtige Schauspiel allerdings in schier besessener Selbstherrlichkeit fortgesetzt, dann ist das nicht weniger als vorsätzlicher Betrug an den Bürgern dieser Stadt.

Regenbogenzebrastreifen - eine Lokalpolitposse
Statement – Verfasser unbekannt – am Regenbogenzebrastreifen. Ohne Kontext.

Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea

Über Nordkorea wird viel geschrieben. Meist unter Verwendung von Adjektiven wie „vermeintlich“ und „angeblich“. Der Reisebericht von Christian Eisert ist angenehm anders.

Spätestens mit dem Treffen von Kim Jong Un und Donald Trump am 12. Juni 2018 in Singapur ist das weltweite Interesse an Nordkorea wieder neu erwacht. Christian Eisert interessierte sich schon sehr lange davor für dieses Land. Mindestens seit 1988, als ihm in der seinerzeitigen DDR eine Delegation der KDVR (Koreanische Volksdemokratische Republik) mitsamt eines Fotos einer regenbogenfarbenen Wasserrutsche begegneten. Rund 25 Jahre später machte er sich auf die Reise nach Nordkorea (nunmehr DVRK Demokratische Volksrepublik Korea), um diese ihm unvergessene Rutsche zu suchen.

Mit Reiseberichten geht gemeinhin eine schier epische Abhandlung von Zahlen, Sehenswürdigkeiten und Orten einher, mit Literatur zu Nordkorea eine ziemlich exakt vorgefertigte Meinung des Verfassers. Eisert bricht gleich mit beiden ungeschriebenen Gesetzen. Seine Erzählung ist ebenso kurzweilig wie unterhaltsam, dennoch aber gespickt mit allerlei geschichtlichen Hintergründen. Er berichtet lebendig von allerlei ihm und seiner Reisebegleitung skurril erscheinenden Situationen und Begebenheiten, ohne allerdings den moralischen Zeigefinger unablässig helikoptergleich über dem Leser kreisen zu lassen.  

Eisert schreibt – schon von Berufswegen – überaus launig. Auch bei seinem Reisebericht macht er keine Ausnahme, allerdings verzichtet er dabei konsequent darauf, sein Gastgeberland dabei lächerlich zu machen. Er erkennt und benennt durchaus Unterschiede, verhöhnt diese jedoch nicht. Eisert respektiert die Gepflogenheiten seiner Gastgeber und die besondere Situation des Landes, u. a. bezüglich verschiedenster Sanktionen. Manchmal wundert er sich, manchmal schmunzelt er über Situationen, aber niemals in böser Manier. Und wie wohltuend in diesen Tagen, kommt er völlig umhin, sich selbst zum Weltweisen aus Berlin zu ernennen und ungefragt vermeintlich kluge Ratschläge zu geben.

Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea vereitelt dennoch meine wirklich gern gemachte Reise nach Nordkorea. Im Moment jedenfalls. Denn ein solch straffes Besichtigungsprogramm, welches für Touristen vorgesehen ist, widerspricht schlicht meiner ganz persönlichen Art der Urlaubsgestaltung. Weshalb ich übrigens auch niemals eine Kreuzfahrt machen werde. Nordkorea konnte ich Dank Christian Eisert dennoch fast hautnah erleben. Daher, auch wenn das Werk schon stolze fünf Jahre auf dem Buchrücken hat, absolute Leseempfehlung.

Stolpert SPD-Bezirksamtsleiter über den Regenbogen – Wahlkampf mit Steuergeldern?

Die SPD hat es in diesen Zeiten nicht leicht. Mit Sympathieträgern wie Hafengeburtstags-Olaf, Enteignungs-Kevin oder Bätschi-Andrea ist schlicht – und im ganz wörtlichen Sinne -kein Staat mehr zu machen, resp. souverän zu regieren. Selbst im Stadtstaate läuft es oftmals mehr schlecht als Recht. Das einst tiefrote Bremen war unlängst so blutleer, dass es bei der letzten Schlacht prompt verloren ging. Verständlich also, dass die offiziell sozialdemokratischen Genossen in der etwas mondäneren Hansestadt Hamburg offenbar fürchten, 2020 dasselbe Schicksal zu erleiden. Zunächst standen allerdings in 2019, neben den Wahlen zum Europäischen Parlament, die Bezirksversammlungswahlen an. Eine Herausforderung, welche die SPD-Fraktion Hamburg-Mitte mit vermeintlich schlauer Wahlkampfstrategie annahm.

Die Vorgeschichte

Im Hamburger Stadtteil St. Georg wurden zu Jahresbeginn mehrere Zebrastreifen (offiziell Fußüberwege) entfernt, da diese gemäß StVO in Tempo 30 Zonen entbehrlich sind. Das Entsetzen vieler Anwohner darüber war groß. Insbesondere Eltern, deren Kinder eine der örtlichen Schulen oder zahlreichen Kitas im Stadtteil besuchen, zeigten Unverständnis für diese Hau-Ruck-Aktion.

Wahlkampf auf den letzten Metern

Lange tat sich – zumindest öffentlich – nichts in der Sache. Bis am 23. Mai Oliver Sträter (Bezirksabgeordneter und parlamentarischer Geschäftsführer der SPD Faktion in Hamburg-Mitte) stolz verkündete, dass mit den „Regenbogenstreifen“ die unlängst entfernten Zebrastreifen wieder zurück kämen. Mitsamt feierlicher „Einweihung“ am 24. Mai.

Es ist fraglich, ob die zweifellos falsche Bezeichnung „Zebrastreifen“ von Sträter vorsätzlich oder aber aus purer Unkenntnis gewählt wurde. Rein zeitlich, zwei Tage vor dem Wahlsonntag am 26. Mai, liegt allerdings der Verdacht sehr nahe, dass es sich bei der regenbogenbunten Performance um Wahlkampf und Stimmenfang auf den letzten Metern handeln könnte.

Die Inszenierung war ebenso schlecht wie vor allem unredlich. Sie wirft ein mehr als unschönes Licht auf den namhaften Schöpfer und sein verzweifeltes Ensemble.


„Die Idee zu den Regenbogen-Markierungen kam von Bezirksamtsleiter Falko Droßmann selbst und auch die Geschwindigkeit, in der sie umgesetzt wurde, ist seinem Einsatz zu verdanken.“

Oliver Sträter
Falko Droßmann – smart auf SPD-Wahlplaket

Droßmann startete einst mit der Ausbildung bei der Polizei NRW ins Berufsleben. Es darf somit unterstellt werden, dass er alleine dadurch bedingt über annähernd profundes Wissen hinsichtlich der Straßenverkehrsordnung verfügt. Welche Muse also küsste ihn so besinnungslos, dass er wider besseren Wissens mit heißer Nadel und sehr wahrscheinlich aus Steuergeldern „Regenbogenstreifen“ strickte?

Große Verehrung für den geliebten Bezirksamtsleiter. (Screenshot Website)

Kaum dass die Farbe trocken – und die Wahl vorbei – war, kam der folgerichtige Einspruch der Innenbehörde: die „Regenbogenstreifen“ sind nicht zulässig. Es bestünde Verwechslungsgefahr mit Fußgängerüberwegen, weshalb diese zu entfernen seien. Laut NDR befände die Innenbehörde jedoch, „wäre eine solche Maßnahme zur Erhöhung der Aufmerksamkeit völlig unbedenklich“, wenn anstelle der Querstreifen Längsstreifen aufgemalt würden.

Experten sehen dies gänzlich anders und werten derlei „Street Art“ sogar als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, da die Bemalung ungeachtet der Richtung der Streifen die Verkehrsteilnehmer irritiert. Daher fehlt, sobald von der StVO abweichende Markierungen oder Zeichen auf Fahrbahnen angebracht werden, grundsätzlich die Rechtsgrundlage für diese. Da die Innenbehörde Kenntnis vom rechtswidrigen Zustand der Fahrbahnen habe, sei es nun vielmehr an ihr, diesen umgehend zu beseitigen.

Nicht nur viele Kinder, auch zahlreiche Senioren sind in St. Georg zuhause.

Insgesamt sechs „Regenbogenstreifen“ sind auf den Straßen von St. Georg bislang zu finden. Die Kosten für einen Zebrastreifen gem. StVO liegen lt. Recherche bei im Schnitt bei  etwa 30.000 Euro. Ob der Preis der bunten Werke höher oder niedriger ist bleibt bis dato offen, eine entsprechende Anfrage an die Pressestelle des Bezirksamt zu den konkreten Kosten und wer diese trägt blieb bislang unbeantwortet. Und so bleibt einstweilen auch noch offen, wie teuer die kreative Phase Droßmanns und daraus möglicherweise daraus resultierende Verfahrenskosten Hamburg wirklich zu stehen kommt. Als Wahlkampfhilfe für die Partei hat sich die Investition allerdings schon mal nicht gelohnt. Inwieweit Droßmann sich mit diesem recht offensichtliche Gefallen selbst einen solchen tat, bleibt fraglich.

[Mit E-Mail vom 14. Juni 2019 teilte die Pressestelle des Bezirksamts Hamburg-Mitte mit „Die Kosten liegen bei ca. 1.200 € (Endabrechnung steht noch aus). Diese werden aus den allgemeinen Straßenunterhaltungsmitteln bestritten.“ Ob dieser Betrag für einen einzelnen Regenbogenzebrastreifen aufgebracht werden muss oder es sich um den Gesamtbetrag für das bunte (Wahlkampf-?)Spektakel handelt kann aus der Antwort nicht abgeleitet werden.]

Ungeachtet dessen, dass der durch diese Posse ausgelöste Regenbogen-Hype nunmehr die tatsächliche Problematik „Sicherheit“ vollends verdrängt hat: Zebrastreifen in Tempo 30-Zonen sind zulässig. Die Drucksache Nr. 18/6572 der Hamburger Bürgerschaft gibt exakt darüber Auskunft, dass Zebrastreifen (FGÜ) „eingerichtet bzw. beibehalten werden können, wenn dies aus Gründen der Verkehrssicherheit sinnvoll ist“.

Segeln mit Alexander Dobrovinsky im Bermudadreieck

Alexander Dobrovinsky ist ein umtriebiger Zeitgenosse. Residierte er 2017 noch im eher regnerischen London, so ist er mittlerweile ins sonnigere Spanien – 28660 Boadilla del Monte, Madrid – übergesiedelt. Vielleicht war es aber nicht das Wetter, sondern der drohende Brexit, der ihn in sein neues Domizil in der Calle Juan Carlos I, 24 umziehen ließ.

Brexit – das hat ja irgendwie etwas von Untergang. Vom Verschwinden. Was also liegt für Alexander Dobrovinsky näher, als sich umfassend mit der Thematik des Untergangs zu befassen. Nicht dem der Briten, sonder mit dem Bermudadreieck.

So plant Alexander Dobrovinsky nunmehr in Madrid Seminare abzuhalten. Zwei umfangreiche Word-Dokumente hat er dazu schon… sagen wir mal: zusammengestellt. Damit möglichst viele seiner Seminarbesucher von all dem partizipieren, möchte er nunmehr die englischen Texte ins Deutsche übersetzen lassen. So fragt er, die Dokumente im Anhang, diverse potentielle Übersetzungsdienstleister mit der Bitte um ein Angebot an. In selbiger Mail sichert er Vorabzahlung zu.

Noch spricht – ohne weiterführende Recherche – nichts konkret gegen ein Angebot. Dann dauert es nicht lange, bis auch schon der Auftrag kommt. In allertiefster Nacht. Um 3.35 Uhr. Direkt von der Segelyacht?

Thanks for your email.
I apologize for my late reply, I was sailing.
I am happy to let you know that I have decided to use your service for the translation of the documents.

Doch halt! Er kann nicht zahlen!

Unfortunately, am unable to make bank transfer to neither him nor you due to my present sailing location.

Aber Alexander Dobrovinsky ist ein Ehrenmann. Natürlich.

I will prepay you directly with a certified bank check but before that…

Alexander Dobrovinsky vertraut vorbehaltlos. Da sein Eventmanager, der das Seminar “The Bermuda & Dragon´s Triangle” in Madrid organisiert, leider keine Schecks akzeptiert, sendet er einen um 5.200 Euro  höher ausgestellten Scheck an den Übersetzungsdienstleister.  

On this note, I have resolved to send you a certified bank check for a total amount of €xxxx.

Alexander Dobrovinsky vertraut darauf, dass der Übersetzungsdienstleister sodann nach Einlösung und Gutschrift des Schecks eine Sofortüberweisung an den Eventmangager vornimmt. Selbstverständlich trägt der Eventorganisationsmanager sämtliche Gebühren und Steuern, resp. können diese in Abzug gebracht werden. Ehrenmann!

On receiving the check, kindly deposit it into your account to clear. When you have the cash money on your account, deduct and keep your fee of €xxxx and send the balance money to the event manager via a swift bank transfer. I will provide you with the manager’s banking details. All taxes, bank charges and commissions will be deducted from his fee before the transfer is made. An invoice from the manager to you is also available if needed for your book-keeping records.

Nice try. Oder auch Überzahlungsbetrug, wie es im Fachjargon heißt. Der Versuch ist definitiv nicht so schlecht umgesetzt, wie man es erwarten könnte. Wenn man nach der Mailadresse des vermeintlichen Alexander Dobrovinksy, konkret nach alexandvinsky1@gmail.com sucht, wird man allerdings fündig, dass eben nicht alles mit rechten und vor allem seriösen Dingen zugeht.

Ein mutmaßlich „geschäftlicher“ Segeltörn mit dem, der sich Alexander Dobrovonskys nennt, führt unweigerlich ins Bermudadreieck. Er ist ein exklusives Abenteuer, das statt in ein Honorar ins ein monetäres Defizit des Auftragnehmers mündet. Denn möglicherweise schreiben Banken und Sparkassen den eingereichten Scheck (vorerst!) gut.. Allerdings ohne diesen zu prüfen. Solch ein Prüfprozess ausländischer Schecks kann durchaus über mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Wer also nach vermeintlicher Wertstellung guter Dinge eine nicht unwesentliche Summe an den vorgeblichen Eventorganisationsmanager überweist, darf dies letztlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus der eigenen Portokasse tun.

Musikalische Zeitreise mit schwäbischem Grandseigneur

Klavier von Ulrich Tukur in der Elbphilharmonie Hamburg
„Grüß mir den Mond“ Ulrich Tukur in der Elbphilharmonie.

Es war eine Tanzkapellenpremiere der besonders grandiosen Art. Ulrich Tukur und seine stetig gutaussehenden Rhythmus Boys gaben sich erstmals gemeinsam in der Hamburger Elphilharmonie die Ehre.


So ward sie dann auch rasant ausverkauft, die Mehrzweckhalle, wie Tukur mir der ihm so eigenen Liebenswürdigkeit den großen Saal des mittlerweile beinahe schon weltberühmten Konzerthauses bezeichnete. Es sollte die einzige Untertreibung bleiben.


Mit einem Kanonenfeuer überaus kurzweiligen Anekdoten berichtete Tukur von vielen guten Freunden, isländischen Geysiren, anderweitig unterhaltsamen und auch nur möglicherweise pränatalen Begegnungen. Gemeinsam mit den wie immer gutaussehenden Rhythmus Boy – Kalle Mews, Ulrich Mayer und Günter Märtens – fanden die launigen Intros sodann ihre grandiose musikalische Fortsetzung.

Akustisch konnte die nicht mehr ganz so junge Boyband vollends überzeugen, die Elphi allerdings blieb hinter den Erwartungen zurück. Tukur und Mannen klangen im plüschigen St. Pauli-Theater mindestens genau so großartig. Nur ein Lied, dessen Titel* zugunsten der wunderschönen Erläuterung “ junge Italiener, die den Mond anheulten“ völlig egal und darum vergessen ist, wäre von Tukur vielleicht an andere Stätte nicht ganz so inbrüstig geschmettert beim geneigten Zuhörer angekommen.


Trotz stolzer Preise für gute Plätze – auch hier geht eine Träne auf Reisen in Richtung St. Pauli-Theater – lohnt es sich allemal, bei „Grüß mir den Mond“ eine echte Sternstunde zu erleben. Die nächste Möglichkeit dazu ist am 4. Januar 2019 in der Elbphilharmonie.

Tipp: Konzertkarten für die Elbphilharmonie sind überaus begehrte Spekulationsobjekte und nicht zuletzt deshalb im Nu vergriffen. Wer kurzentschlossen und flexibel ist, kann allerdings im Kartenbüro durchaus noch an Restkarten kommen. Je näher der Veranstaltungsbeginn, desto verhandlungsbereiter sind übrigens auch die vor der Elphi regelmäßig postierten privaten Ticketverkäufer.

*) Stasera pago io

Astrid. Darf man das?

Astrid Lindgren - Kinoticket für den Film "Astrid" im Abaton Hamburg
„Astrid“ – ein Film, der Grenzen überschreitet?

Selten wollte ich einen Film so unbedingt sehen wie diesen. Schier unbändige Vorfreude vereinte sich mit nicht minder großer Erwartungshaltung. Astrid. Ein Film über, oder vielmehr ein Ausschnitt aus dem Leben Astrid Lindgrens. Ein Blick in die Jahre, in welchen möglicherweise die Wurzeln ihres schriftstellerischen Schaffens begründet sind. Zweifelsfrei aber einer, der mir mit all seiner Indiskretion zusehends Unbehagen bereitete.

Vielleicht ist exakt diese, sicherlich prägende, allerdings auch zutiefst private Ära die Hürde, die genommen werden muss oder müsste, um sich ganz auf diesen Film einzulassen. Es ist ein geradezu intimer Einblick in das Leben der jungen Astrid, der – post mortem – sehr verstörend auf den Betrachter wirkt. Oder wirken kann. Vermutlich ist das eine Frage des höchst individuellen Empfindens.

Es mag sich alles so oder zumindest so ähnlich zugetragen haben, wie der Film es zeigt. Ob eine Astrid Lindgren es zu Lebzeiten befürwortet hätte, just einen solchen  Lebensabschnitt in schier epischer Breite einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Lindgrens Tochter, Karin Nyman, schloss das Einverständnis ihrer Mutter dazu jedenfalls kategorische aus.

Vielleicht ist es eine gewisse Abgestumpftheit, die den Widerwillen von Zuschauern und Kritikern ausbleiben lies. Möglicherweise resultierend aus dem täglich gelebten Exhibitionismus der zeitgenössischen Stars, Sternchen und insbesondere jenen, die sich für ebensolche halten. Menschen, die intimste private Dinge online mit ihren „Fans und Followern“ teilen – und im selben Zuge der Weltöffentlichkeit preisgeben. Menschen, die nach unbedingter Aufmerksamkeit schreien, nach Beachtung lechzen. Die gerne wären, ohne zu sein?  

Die Autorin Astrid Lindgren wurde einzig durch ihr großartiges Schaffen, ihre Bücher und Geschichten, zu einem öffentlichen Menschen. Sie ließ so viel Öffentlichkeit zu, wie es als Person der Zeitgeschichte als nötig erachtete. Regisseurin Pernille Fischer Christensen hätte gut daran getan, das zu respektieren. So bleibt, nach „Astrid“ ein überaus bitterer Nachgeschmack aus respektloser Übergriffigkeit und egoistischer Indiskretion.   

„Springen, du musst springen. Durch den Tod, in das Leben. Pass auf, dass du wirklich lebst!“

Kostenlos mit Bus und Bahn – ganz schön teuer

Grundsätzlich ist die Idee eine gute. Je mehr Menschen den ÖPNV nutzen, desto weniger Autos tummeln sich auf den Straßen, desto weniger Zeit verbringen wir im Stau, desto sauberer wird die Luft.

Regelrechte Jubelschreie tönten durchs Land, die vor allem von jenen Zeitgenossen stammen dürften, welche Sachverhalte eher nicht bis zum Ende hin denken. Die ohnehin und nur zu gerne mantraartig staatliche Alimentierung einfordern.

Zahlreiche Verkehrsverbünde schrien ebenfalls; diese allerdings laut auf. Denn in keiner größeren Stadt wäre die vorhandene ÖPNV-Infrastruktur dazu in der Lage, einen deutlichen Zuwachs an Fahrgästen – insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten – zu befördern. In vielen Städten, wie beispielsweise in Hamburg, sind zahlreiche Linien trotz enger Taktung längst am Limit. Nur wer beinahe intimen Körperkontakt mit fremden Artgenossen zu seinem Fetisch erklärt, nutzt den ÖPNV unter diesen Umständen tatsächlich gerne. Ein Ausbau für theoretisch  1,8 Millionen Nutzer in Hamburg, resp. mehr als 3,4 Millionen Einwohner im Verbundgebiet des HVV, ist selbst mittelfristig utopisch.

Öffentlicher Personennahverkehr – die neue Solidargemeinschaft

Ungeachtet der Unmöglichkeit der Kapazitäten stellt sich sodann die Frage, wie ein kostenloser ÖPNV finanziert werden soll. Arbeiten sämtliche Beteiligte fortan ehrenamtlich, sponsert Bombardier die Bahnen, MAN die Busse und Brandt die Hamburger Hafenfähren? Natürlich nicht. Vielmehr soll „der Staat“ sämtliche Kosten des Gratis-ÖPNV tragen.

Den ÖPNV, welcher ohnehin hochsubventioniert ist, komplett auf die Schultern aller Steuerzahler zu verteilen, entspricht keinesfalls einer gesunden Solidarität. Eine Finanzierung durch Bundesmittel würde gerade ländliche Regionen, in welchen öffentlicher Personennahverkehr nur sehr begrenzt und eingeschränkt vorhanden ist, vollends benachteiligen. Und die Kommunen? Ächzen ohnehin längst unter ihrer Schuldenlast.

Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister in Tübingen, hat unlängst eine Bürgerabgabe ins Finanzierungsrechenspiel geworfen. Für Tübingen (ca. 88.000 Einwohner) würde eine solche in Höhe von 15 Euro/Erwachsener und Monat ausreichen, so Palmer, um die auf 15 Millionen bezifferten Betriebs- und Investitionskosten p. a. nahezu ohne Bundesmittel aufbringen zu können. Inwiefern beim Palmerschen Rechenexempel Leistungsbezieher und Arbeitssuchende -wenn auch die Arbeitslosenquote von 3,0 (Stand Januar 2018) in der Universitätsstadt gering ist – berücksichtigt wurden blieb jedoch offen.  Schwierig würde es so oder so werden, zuerst einmal die Rechengröße von mehr als 83tausend erwachsenen Bürgern zu erreichen.

2 Klassen-Lösung im ÖPNV

Grundsätzliche Attraktivität könnte der ÖPNV, gerade in größeren Städten,  durch Sauberkeit erreichen. Die zusehends verdreckten, geradezu versifften und stinkenden Bahnen und Busse, mit oftmals recht unangenehmem Publikum an Bord, lassen den öffentlichen Nahverkehr zu keiner wirklichen Alternative für Autofahrer werden. Vielleicht wäre sogar die 2 Klassen-Gesellschaft eine mögliche Lösung. Stichwort monetäre Wertschätzung. Die kostenpflichtige und saubere „Business-Class“ für die einen, die gratis „Economy“ für anderen.