Hamburg liegt direkt am Meer – Tagestrip an die Ostsee

Immer wieder gibt es Hamburg-Besucher, die der felsenfesten Überzeugung sind, die Hansestadt wäre direkt am Meer. Die Information, dass es bis zur Nordsee tatsächlich noch rund 100 km elbabwärts geht, überrascht. Dennoch liegt Hamburg, großzügig betrachtet, irgendwie am Meer. Es dauert nur etwas mehr als einer Stunde, bis man die Lübecker Bucht erreicht hat und in die Fluten der Ostsee springen kann.

Wenn der Sommer mal so richtig geballt nach Hamburg kommt, sich die Wärme in den Straßen staut und von steifer Brise keine Spur ist, quillt die Stadt schier über von den hitzeträgen Körpern stöhnender Menschen. Dabei ist die Erfrischung am Meer eigentlcih ganz nahe. Vom Hauptbahnhof aus erreicht man, mit einem kurzen Aufenthalt in Lübeck, schon nach einer Fahrzeit von 1:21 den Timmendorfer Strand. Nur ein paar Minuten länger dauert es bis Scharbeutz (plus 11 Minuten) oder Haffkrug ( plus 14 Minuten).

Mit der täglich verkehrenden RE8 geht es um 9.04 Uhr zunächst in planmäßigen 44 Minuten nach Lübeck. Das Platzangebot des Regionalzuges ist im Regelfall ausreichend.. Von nur zwei Halten – in Bad Oldesloe und Reinfeld (Holstein) – unterbrochen, rauscht der Zug schon bald an Wiesen und Feldern vorbei von der einen in die andere Hansestadt. In Lübeck angekommen führt der Weg über die ausgetretenen Holzstufen von den Gleisen nach oben. Die RB85 nach Neustadt (Holstein) fährt erst in 24 Minuten, ausreichend Zeit, einmal kurz „vor die Tür“ zu gehen. Im Vergleich zum Hamburger Hauptbahnhof ist der Lübecker Bahnhof deutlich sauberer. Er bleibt es auch auf dem Vorplatz und ich vermisse den Anblick exzessiver Trinkgelage ebenso wenig wie den penetranten Uringeruch, der in der vermeintlich feineren Hansestadt längst fest etabliert ist.

Die RB85 Richtung Neustadt (Holstein) fährt um 10.12 Uhr ab und ist bei Strandwetter überaus begehrt. Es lohnt sich, frühzeitig am Gleis zu sein, um trotzt des Andrangs noch einen Sitzplatz zu ergattern, auch wenn die Klimaanlage erst bei Abfahrt ihren Betrieb aufnimmt.  Am Haltepunkt Timmendorfer Strand, der früher vermutlich ein kleiner Bahnhof mit dort arbeitenden Menschen war, leert sich die Bahn rapide. Entgegen der ursprünglichen Planung bleibe ich an Bord und fahre weiter bis Haffkrug.

Netzfund.

Das ehemalige Fischerdorf Haffkrug ist deutlich kleiner als der angesagt mondäne Timmendorfer Strand und eine der zehn Dorfschaften von Scharbeutz. Auch hier ist das kleine Bahnhofsgebäude augenscheinlich schon einen ganze Weile verwaist.

Seebrücke Haffkrug

Der Weg hinunter vom Haltepunkt zum Ostseestrand ist mit rund sieben gemütlichen Minuten erstaunlich kurz. Noch erstaunlicher aber, der erste entdeckte Strandabschnitt ist gebührenfrei. Und um dem die absolute Krone aufzusetzen: der Strand ist wunderbar sauber und gepflegt. Obwohl es bereits auf Mittag zugeht und das Thermometer emsig an der 30°-Marke kratzt gibt es reichlich Platz und sogar einen ausgewiesenen Bereich für Strandmuscheln. Wer Strandkörbe liebt wird hier natürlich ebenfalls fündig.

Sanft abfallend, reicht der Strand von Haffkrug weit hinein in die ruhige Ostsee und ermöglicht so auch nicht vollends seefesten Schwimmern puren Badespaß. Das Publikum am Strandabschnitt ist überaus angenehm; eine harmonische Melange, in der von Senioren bis hin zu kleinen Kindern alle ganz selbstverständlich ihren Platz finden und den des anderen respektieren.

Ostseeträumchen – Strand in Haffkrug mit Blick auf die Seebrücke

Einem ausgiebigen Sonnenbad, unterbrochen vom erfrischenden Bad im Brackwassermeer, folgt der Gang zur Seebrücke. Die Rettungsschwimmer der DLRG, die an ebendieser stationiert sind, schieben – durchaus aufmerksam – eine ruhige Kugel. Der Blick von der beinahe menschenleeren Brücke hinaus auf die See ist herrlich, das finden auch die Möwen, die sich diesen recht unerschrocken gönnen.

Im strahlenden Sonnenschein geht es die gepflegte Promenade von Haffkrug entlang. Neben dem gemütlichen Flanieren lässt sich dabei auch einiges zu Land, Leuten und Geschichte erfahren. Verschiedene Naturstationen, Teil des EU-Projekts „Grün-blaue Touren“, entlang des Weges geben einen ebenso interessanten wie verständlichen Einblick in die regionale Tier- und Pflanzenwelt.

Ein kleines Hüngerchen vereitelt vorerst jedoch das spannende Wissen, das bis nach Scharbeutz reichenden Naturstationen unterhaltsam zu vermitteln haben. So näherte ich mich den Meeresbewohnern ganz pragmatisch-kulinarisch an. Mit einem wirklich verdammt leckeren Aalbrötchen, das in einer eher unscheinbaren „Fischbrötchenbude“, direkt rechts neben dem Restaurant „Fischerhaus“ (Strandallee 31), ganz frisch belegt wurde. Göttlich!

Aalter, wie unglaublich lecker! Aalbrötchen an isotonischem Durstlöscher.

Haffkrug ist ein echtes Kleinod an der Ostseeküste, das wenig Schicki-Micki, dafür aber um so mehr echte Entschleunigung im Portfolio hat. Und definitiv einen Besuch wert. Schon die eintägige Auszeit von der Großstadthitze hat sich mehr als gelohnt.

Tipp

Statt das eigene Auto zu bemühen, lässt sich Haffkrug binnen kürzester Zeit mit der Bahn erreichen. Mit dem Schleswig-Holstein-Ticket (montags bis freitags ab 9 Uhr bis 3 Uhr am nächsten Tag; samstags, sonntags und an Feiertagen ganztägig gültig) bereits für günstige 29 Euro als Einzelreisende, jede weitere mitreisende Person (bis max. 5) zahlt nur jeweils 3 Euro mehr.      

Regenbogenzebrastreifen St. Georg – eine Posse in x Akten

Während das Bezirksamt Mitte, resp. die Auskunft gebende Pressestelle des bezeichneten Amtes, beharrlich auf der Rechtmäßigkeit der sog. „Regenbogenzebrastreifen“ in St. Georg besteht, zumindest aber weitere Auskünfte verweigert, wird nun offenbar dennoch einer angeblichen Aufforderung der Innenbehörde nachgekommen; die Streifen werden gedreht. Das macht die Sache zwar nicht rechtskonformer, lediglich anders, aber ein Genosse hackt dem anderen ja bekanntlich selten ein Auge aus.

Fahrbahnmarkierungstruppe

Drei wackere Männer eines Fahrbahnmarkierungsunternehmen rückten in den Morgenstunden des heutigen Tages mit allerlei Gerätschaften und Farben in der Danziger-, Ecke Rostocker Straße an. Es wurde geklebt und gemalt und getrocknet und gewartet und gemalt und getrocknet und gewartet. Diesmal allerdings gänzlich ohne frenetisch feiernde SPD-Akteure wie Bezirksamtsleiter Falko Droßmann oder einen umtriebigen Oliver Sträter. Verständlich, denn wirklich zu feiern gab und gibt es nichts.

Manche treiben’s bunt.

In Kenntnis des Arbeitsaufwandes einer solchen Straßenbemalung lässt nunmehr auch den Schluss zu, dass die von der Pressestelle des Bezirksamts Mitte im Juni kommunizierten Kosten i. H. von rund 1.200 Euro (vorbehaltlich Endabrechnung) sich lediglich auf einen „Regenbogenzebrastreifen“ beziehen. Bei insgesamt acht Stück und der nun erfolgten Drehung summiert sich das zweifelhafte Projekt somit auf stolze 19.200 Euro. Bestritten aus allgemeinen Straßenunterhaltungsmitteln.

Die Summe wäre durchaus gerechtfertigt, würden mit ihr rechtssichere Maßnahmen  finanziert, die für Kinder wie Senioren ein Mehr an Sicherheit brächten. Beispielsweise „echte“ Zebrastreifen. Denn ungeachtet dessen, ob die derzeitigen bunten Streifen nun längs oder quer auf die Fahrbahn aufgebracht werden, entsprechen diese Ansicht eines fachkundigen Juristen „hinsichtlich ihrer Ausführung nicht den für Markierung von Straßen (RMS) Vgl. VwV StVO Zu den §§ 39 bis 43 Allgemeines über Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen IV. Allgemeines über Markierungen. 49 1. Markierungen sind grundsätzlich nach den Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) auszuführen.“ Kurzum: trotz neuer Ausrichtung ist der Regenbogen rechtlich unzulässig.

„Natürlich gab es für die Regenbogenstreifen keine straßenverkehrsbehördliche Anordnung – wie es korrekt heißt- aber das war ja gerade der Hintergrund der Aktion.“

Pressestelle Bezirksamt Hamburg Mitte

Leider scheinen die zuständigen Mitarbeiter im Bezirksamt Mitte nicht vollends informiert zu sein. Durch die Pressestelle lassen sie mitteilen „In Tempo 30 Zonen dürfen keine Zebrastreifen mehr eingesetzt werden.“ Derlei ist, wie im vorangegangenen Artikel bereits dargestellt, schlicht falsch und dies ist u. a. in Drucksache 18/6572 der Bürgerschaft aus dem Jahr 2007 zweifelsfrei ersichtlich. Auf beide Fehlauskünfte aufmerksam gemacht, schweigt die Pressestelle seit nunmehr drei Wochen.

Loyalität ist im Grunde überaus ehrenwert, wider jeglicher Moral allerdings unethisch. Das stoische Schweigen, das Aussitzen von Fehlern, das Hoffen auf Vergessen ist schlicht unmoralisch. Wenn die Sicherheit von Kindern im Wahlkampf zum Selbstzweck instrumentalisiert wird, statt eine mögliche Lösung umzusetzen, ist dies politisch äußerst schlechter Stil. Wird das unaufrichtige Schauspiel allerdings in schier besessener Selbstherrlichkeit fortgesetzt, dann ist das nicht weniger als vorsätzlicher Betrug an den Bürgern dieser Stadt.

Regenbogenzebrastreifen - eine Lokalpolitposse
Statement – Verfasser unbekannt – am Regenbogenzebrastreifen. Ohne Kontext.