Astrid. Darf man das?

Astrid Lindgren - Kinoticket für den Film "Astrid" im Abaton Hamburg
„Astrid“ – ein Film, der Grenzen überschreitet?

Selten wollte ich einen Film so unbedingt sehen wie diesen. Schier unbändige Vorfreude vereinte sich mit nicht minder großer Erwartungshaltung. Astrid. Ein Film über, oder vielmehr ein Ausschnitt aus dem Leben Astrid Lindgrens. Ein Blick in die Jahre, in welchen möglicherweise die Wurzeln ihres schriftstellerischen Schaffens begründet sind. Zweifelsfrei aber einer, der mir mit all seiner Indiskretion zusehends Unbehagen bereitete.

Vielleicht ist exakt diese, sicherlich prägende, allerdings auch zutiefst private Ära die Hürde, die genommen werden muss oder müsste, um sich ganz auf diesen Film einzulassen. Es ist ein geradezu intimer Einblick in das Leben der jungen Astrid, der – post mortem – sehr verstörend auf den Betrachter wirkt. Oder wirken kann. Vermutlich ist das eine Frage des höchst individuellen Empfindens.

Es mag sich alles so oder zumindest so ähnlich zugetragen haben, wie der Film es zeigt. Ob eine Astrid Lindgren es zu Lebzeiten befürwortet hätte, just einen solchen  Lebensabschnitt in schier epischer Breite einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Lindgrens Tochter, Karin Nyman, schloss das Einverständnis ihrer Mutter dazu jedenfalls kategorische aus.

Vielleicht ist es eine gewisse Abgestumpftheit, die den Widerwillen von Zuschauern und Kritikern ausbleiben lies. Möglicherweise resultierend aus dem täglich gelebten Exhibitionismus der zeitgenössischen Stars, Sternchen und insbesondere jenen, die sich für ebensolche halten. Menschen, die intimste private Dinge online mit ihren „Fans und Followern“ teilen – und im selben Zuge der Weltöffentlichkeit preisgeben. Menschen, die nach unbedingter Aufmerksamkeit schreien, nach Beachtung lechzen. Die gerne wären, ohne zu sein?  

Die Autorin Astrid Lindgren wurde einzig durch ihr großartiges Schaffen, ihre Bücher und Geschichten, zu einem öffentlichen Menschen. Sie ließ so viel Öffentlichkeit zu, wie es als Person der Zeitgeschichte als nötig erachtete. Regisseurin Pernille Fischer Christensen hätte gut daran getan, das zu respektieren. So bleibt, nach „Astrid“ ein überaus bitterer Nachgeschmack aus respektloser Übergriffigkeit und egoistischer Indiskretion.   

„Springen, du musst springen. Durch den Tod, in das Leben. Pass auf, dass du wirklich lebst!“

Kostenlos mit Bus und Bahn – ganz schön teuer

Grundsätzlich ist die Idee eine gute. Je mehr Menschen den ÖPNV nutzen, desto weniger Autos tummeln sich auf den Straßen, desto weniger Zeit verbringen wir im Stau, desto sauberer wird die Luft.

Regelrechte Jubelschreie tönten durchs Land, die vor allem von jenen Zeitgenossen stammen dürften, welche Sachverhalte eher nicht bis zum Ende hin denken. Die ohnehin und nur zu gerne mantraartig staatliche Alimentierung einfordern.

Zahlreiche Verkehrsverbünde schrien ebenfalls; diese allerdings laut auf. Denn in keiner größeren Stadt wäre die vorhandene ÖPNV-Infrastruktur dazu in der Lage, einen deutlichen Zuwachs an Fahrgästen – insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten – zu befördern. In vielen Städten, wie beispielsweise in Hamburg, sind zahlreiche Linien trotz enger Taktung längst am Limit. Nur wer beinahe intimen Körperkontakt mit fremden Artgenossen zu seinem Fetisch erklärt, nutzt den ÖPNV unter diesen Umständen tatsächlich gerne. Ein Ausbau für theoretisch  1,8 Millionen Nutzer in Hamburg, resp. mehr als 3,4 Millionen Einwohner im Verbundgebiet des HVV, ist selbst mittelfristig utopisch.

Öffentlicher Personennahverkehr – die neue Solidargemeinschaft

Ungeachtet der Unmöglichkeit der Kapazitäten stellt sich sodann die Frage, wie ein kostenloser ÖPNV finanziert werden soll. Arbeiten sämtliche Beteiligte fortan ehrenamtlich, sponsert Bombardier die Bahnen, MAN die Busse und Brandt die Hamburger Hafenfähren? Natürlich nicht. Vielmehr soll „der Staat“ sämtliche Kosten des Gratis-ÖPNV tragen.

Den ÖPNV, welcher ohnehin hochsubventioniert ist, komplett auf die Schultern aller Steuerzahler zu verteilen, entspricht keinesfalls einer gesunden Solidarität. Eine Finanzierung durch Bundesmittel würde gerade ländliche Regionen, in welchen öffentlicher Personennahverkehr nur sehr begrenzt und eingeschränkt vorhanden ist, vollends benachteiligen. Und die Kommunen? Ächzen ohnehin längst unter ihrer Schuldenlast.

Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister in Tübingen, hat unlängst eine Bürgerabgabe ins Finanzierungsrechenspiel geworfen. Für Tübingen (ca. 88.000 Einwohner) würde eine solche in Höhe von 15 Euro/Erwachsener und Monat ausreichen, so Palmer, um die auf 15 Millionen bezifferten Betriebs- und Investitionskosten p. a. nahezu ohne Bundesmittel aufbringen zu können. Inwiefern beim Palmerschen Rechenexempel Leistungsbezieher und Arbeitssuchende -wenn auch die Arbeitslosenquote von 3,0 (Stand Januar 2018) in der Universitätsstadt gering ist – berücksichtigt wurden blieb jedoch offen.  Schwierig würde es so oder so werden, zuerst einmal die Rechengröße von mehr als 83tausend erwachsenen Bürgern zu erreichen.

2 Klassen-Lösung im ÖPNV

Grundsätzliche Attraktivität könnte der ÖPNV, gerade in größeren Städten,  durch Sauberkeit erreichen. Die zusehends verdreckten, geradezu versifften und stinkenden Bahnen und Busse, mit oftmals recht unangenehmem Publikum an Bord, lassen den öffentlichen Nahverkehr zu keiner wirklichen Alternative für Autofahrer werden. Vielleicht wäre sogar die 2 Klassen-Gesellschaft eine mögliche Lösung. Stichwort monetäre Wertschätzung. Die kostenpflichtige und saubere „Business-Class“ für die einen, die gratis „Economy“ für anderen.