Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea

Über Nordkorea wird viel geschrieben. Meist unter Verwendung von Adjektiven wie „vermeintlich“ und „angeblich“. Der Reisebericht von Christian Eisert ist angenehm anders.

Spätestens mit dem Treffen von Kim Jong Un und Donald Trump am 12. Juni 2018 in Singapur ist das weltweite Interesse an Nordkorea wieder neu erwacht. Christian Eisert interessierte sich schon sehr lange davor für dieses Land. Mindestens seit 1988, als ihm in der seinerzeitigen DDR eine Delegation der KDVR (Koreanische Volksdemokratische Republik) mitsamt eines Fotos einer regenbogenfarbenen Wasserrutsche begegneten. Rund 25 Jahre später machte er sich auf die Reise nach Nordkorea (nunmehr DVRK Demokratische Volksrepublik Korea), um diese ihm unvergessene Rutsche zu suchen.

Mit Reiseberichten geht gemeinhin eine schier epische Abhandlung von Zahlen, Sehenswürdigkeiten und Orten einher, mit Literatur zu Nordkorea eine ziemlich exakt vorgefertigte Meinung des Verfassers. Eisert bricht gleich mit beiden ungeschriebenen Gesetzen. Seine Erzählung ist ebenso kurzweilig wie unterhaltsam, dennoch aber gespickt mit allerlei geschichtlichen Hintergründen. Er berichtet lebendig von allerlei ihm und seiner Reisebegleitung skurril erscheinenden Situationen und Begebenheiten, ohne allerdings den moralischen Zeigefinger unablässig helikoptergleich über dem Leser kreisen zu lassen.  

Eisert schreibt – schon von Berufswegen – überaus launig. Auch bei seinem Reisebericht macht er keine Ausnahme, allerdings verzichtet er dabei konsequent darauf, sein Gastgeberland dabei lächerlich zu machen. Er erkennt und benennt durchaus Unterschiede, verhöhnt diese jedoch nicht. Eisert respektiert die Gepflogenheiten seiner Gastgeber und die besondere Situation des Landes, u. a. bezüglich verschiedenster Sanktionen. Manchmal wundert er sich, manchmal schmunzelt er über Situationen, aber niemals in böser Manier. Und wie wohltuend in diesen Tagen, kommt er völlig umhin, sich selbst zum Weltweisen aus Berlin zu ernennen und ungefragt vermeintlich kluge Ratschläge zu geben.

Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea vereitelt dennoch meine wirklich gern gemachte Reise nach Nordkorea. Im Moment jedenfalls. Denn ein solch straffes Besichtigungsprogramm, welches für Touristen vorgesehen ist, widerspricht schlicht meiner ganz persönlichen Art der Urlaubsgestaltung. Weshalb ich übrigens auch niemals eine Kreuzfahrt machen werde. Nordkorea konnte ich Dank Christian Eisert dennoch fast hautnah erleben. Daher, auch wenn das Werk schon stolze fünf Jahre auf dem Buchrücken hat, absolute Leseempfehlung.

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