AstraZeneca – eine individuelle Impferfahrung

Am 16. Februar wurde mir der AstraZeneca-Impfstoff injiziert. Just an dem Tag, als die Meldungen über vermeintliche Nebenwirkungen und unzählige Krankschreibungen nach der Impfung sich schier überschlugen. Trotzdem entschied ich mich bewusst für dieses Serum, den Vektor-Impfstoff AZD1222.

Impfbescheinigung AstraZeneca

Obwohl ich mich keinesfalls in die Schar der gegenwärtig 82 Millionen Virologen (Bundestrainer a. D.) einreihen will und trotz einiger Grundkenntnisse im Herzen bekennender Laie bin, habe ich mich im Vorfeld soweit über die verschiedenen Impfseren und deren Wirkweise informiert, als dass ich die Entscheidung für AstraZeneca für mich besten Gewissens treffen konnte. Möglicherweise war diese Eigeninitiative im Nachhinein betrachtet ziemlich clever, so konnten mich einerseits die inflationären „Schreckensmeldungen“ nicht in panische Hysterie versetzen, andererseits aber bin ich auch nicht wirklich sicher, ob die durchaus erkennbare Sprachbarriere möglicherweise eine umfassendere Aufklärung durch den für mich zuständigen Impfarzt vereitelt hätte.

Die Injektion als solche war völlig unaufregend und verlief erwartungsgemäß ohne Komplikationen. Ihr folgten 15 Minuten präventiver Aufenthalt im Ruhebereich für den Fall der Fälle, der jedoch – meinerseits ebenfalls erwartungsgemäß – nicht eintrat. Im Verlauf des restlichen Tages gab es weiterhin keinerlei Auffälligkeiten festzustellen.

Am Morgen des 17. Februar erwachte ich tatsächlich gerädert, mit einem „Brummschädel“ und Gliederschmerzen. Ich hatte einen Impfkater. In der Tat erinnerte mich mein körperlicher Zustand an einen Morgen, an dessen Vortag man abends ein Glas zu viel vom „Fusel“ konsumiert hatte und das im Nachhinein bitter bereute. Dieser Kater hielt in seiner halbwegs erträglichen Ausprägung bis in den Spätnachmittag an. Allerdings bereute ich seine Ursache nicht, denn die Reaktion meines Körpers auf den Impfstoff war erhofft. Es war keine Neben-, sondern eben die gewünschte Impfwirkung. Der Impfkater zeigte, dass AstraZeneca wirkt. Und das ist gut so.

Anm.: Dieser Erfahrungsbericht ist exakt das; ein Erfahrungsbericht. Er kann und soll nicht explizit erklären oder gar aufklären, sondern vielmehr dazu motivieren, fundierte Informationen abseits von politischer Hysterie, medialer Panikmache und Clickbait-Terror zu suchen. Er soll ermuntern selbst zu verstehen, eigenständig zu denken und eigenverantwortlich zu entscheiden; abseits vom nur allzu oft meinungsstark-ahnungslosen Geblubber auf den einschlägigen Social Media-Kanälen, unbeeindruckt von omnipräsenten Pandemiestars wie Lauterbach & Co., welche aufmerksamkeitsheischend die für Sie so bitternötige Gunst der Stunde für sich nutzen.

Keinen Plan. Aber die Haare schön.

Die Reisebranche kämpft in der Krise ums nackte Überleben. Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, hat hingegen ganz eigene Prioritäten.

Die deutsche Reise- und Tourismusbranche ist massiv von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Unzählige Hotels stehen seit Wochen leer, Reisebusse stehen unbewegt in ihren Garagen, an den Flughäfen herrscht gespenstische Stille. Rund drei Millionen Beschäftigte, beinahe 7 Prozent aller Arbeitsplätze im Land, sind von der sogenannten Krise, die für sie längst zu weit mehr als nur eine solche ist. Unzählige Betriebe und Existenzen sind akut bedroht und man möchte beinahe dankbar sein, dass sich ein Tourismusbeauftragter in den Reihen der Regierung tummelt.

Mit einem Jahresumsatz von 290 Milliarden Euro (2015 – siehe Studie des Wirtschaftsministeriums und des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland“) war die Tourismusbranche bislang überwiegend ein ausgesprochen pflegeleichter Selbstläufer, der die eigenen Interessen stets souverän zu vertreten wusste. Möglicherweise lag es darum im April 2018 nahe, den Posten des Tourismusbeauftragten gefällig zu vergeben. Oder aber, manch einer kennt das aus der freien Wirtschaft, die Position schlicht schadensbegrenzend zu besetzen. Will heißen mit einem Mitarbeiter der Kategorie „zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen“, der nun mal da ist und vielleicht, zu allem Elend, ob langjähriger Betriebszugehörigkeit, traditionell Anspruch auf Beförderung hat.

Kompetenz dürfte neben dem Parteibuch eher keine Rolle bei der Auswahl gespielt haben. Vielleicht aber die Frisur..? Sein eigenes Haupthaar und dessen perfekter Sitz scheint für den aktuellen Tourismusbeauftragten Thomas Bareiß nämlich allerhöchste Priorität zu haben. Aber nun gut, wer ohrenscheinlich gänzlich unfähig ist – selbst beim Ablesen – flüssig zu sprechen, dem gönnte man natürlich gerne die eitle Freude über 80er-Jahre Fönwellen. Wobei, das Sprachfiasko könnte durchaus auch Taktik sein. Wer es schafft, durch konsequent stottriges Genuschel dem eigentlich ganz wunderbaren schwäbischen Dialekt jegliche Sympathien zu verhehlen – und dazu gehört wirklich einiges – dem gelingt es damit selbstredend (sic!) auch, über fehlende Inhalte und mangelnde Kompetenz hinweg zu täuschen. Halbwegs jedenfalls, denn wer wie Bareiß die Baleareninsel Mallorca als „klassisches Urlaubsland“ bezeichnet und über Urlaub „in“ Mallorca schwadroniert, legt bereits damit fatale Bildungslücken an den Tag.   

Es wäre allerdings grob unfair, den Tourismusbeauftragten auf eine potenzielle Sprachbehinderung zu reduzieren, die möglicherweise Substanz vereitelt. Blicken wir also auf die Inhalte des digitalen Treibens – die nur leider der Inkompetenz des Sprachfiasko in nichts nachstehen.

Bei Facebook schreibt Bareiß am 1. Mai nicht nur ausgesprochen holprig, sondern u. a. von „unserer Boing Produktion“, womit er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Flugzeugbauer Boeing meint. Bei dem es sich – und das dürfte selbst den schummrigsten Kerzen auf den Torten dieser Welt bekannt sein – um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt, das in den USA produziert, wenngleich, das sei der Vollständigkeit halber angemerkt, die Endmontage teilweise nach China ausgelagert wurde.

Theoretisch ist sich Bareiß der Probleme bewusst. Praktisch scheitert er an nicht nur an Wissensdefiziten, wie die „Boing Produktion“ eindrucksvoll beweist.

Möglicherweise findet sich im Tweet vom 27. März ein Ansatz zur Lösung, in welchem wir erfahren, dass „Telefon und Kaffee“ die wichtigsten Arbeitsmittel des Thomas Bareiß sind. Ich persönlich wäre ja sehr für das „Arbeitsmittel“ Hirn und dessen unbedingte Aktivierung vor jeglichen Aktionen – dann wäre sehr wahrscheinlich auch keine Telefonnummer inkl. Durchwahl aus dem Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht worden – aber ach, was weiß denn ich schon.

Bareißsches Durchwahlwhistleblowing – mittlerweile gelöscht. Und im Screenshot selbstverständlich unkenntlich gemacht.

Ein weiterer Tweet vom 2. Mai, von Bareiß zu nachtschlafender Zeit um 2.21 Uhr abgesetzt, erinnert ein wenig an „SMS von letzter Nacht“. Ein Buch, das sich vor etwa einem Jahrzehnt großer Popularität erfreute, enthielt es doch eine ansehnliche Sammlung recht kurioser SMS, die für zuverlässige Lacher sorgte. Der hochgradig rechtschreibfehlerträchtige Tweet des Tourismusbeauftragten Bareiß dürfte schon allein aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen jedoch sehr wahrscheinlich nicht während einer alkohollastigen Party entstanden sein, wie so einige der launigen SMS im bezeichneten Buch. Vor allem aber, auch wenn der Beitrag auf Twitter mittlerweile gelöschte wurde, blieb dem geneigten Leser ob der kruden nächtlichen Gedankengänge möglicherweise ohnehin das Lachen im Halse stecken, während der ein oder anderen Lateiner sich wohl unweigerlich an den griechischen Lyriker Alkaios von Lesbos erinnert haben dürfte.

Da war wohl nicht nur die iPhone-Autokorrektur etwas out of order. Mittlerweile gelöscht.

Es ist aber auch ein Dilemma, wenn augenscheinliche Bildungslücken und eine erschreckend desaströse Orthographie jegliche Profilierungsversuche bereits im Ansatz vereiteln. Der gemeine Schwabe würde vermutlich dazu sagen „Höher scheißa wella, als oim dr Arsch gwachsa isch.“

Was also bleibt? Richtig, die Frisur. Und „Zack!“ wird prompt die Gunst der Stunde in Form des niedersächsischen Ministerpräsidenten genutzt, der endlich mal eine passable Vorlage gibt. Selbstverständlich pariert Bareiß mit Bildbeweis.

Man(n) muss einfach Prioritäten setzen.

Auch auf das „nette Portrait“ in der FAZ ist Bareiß mächtig stolz und belegt dieses mit einem weiteren Fotobeweis, der außer dem Konterfei des Tourismusbeauftragten nicht viel bietet.

Große Freude! Ein Portät! Ein Porträt! Und dann noch in der FAZ!

Für Thomas Bareiß ist die schlimmste Phase der Pandemie mittlerweile gottlob überstanden – er war endlich wieder beim Friseur.   

Ohne Worte!

Die Reisebranche hingegen – immerhin rund 11.000 Reisebüros und 3.000 Reiseveranstalter – wartet derweil weiterhin vergeblich und zusehends verzweifelt auf Unterstützung. Doch alle Forderungen nach Hilfe laufen bei Bareiß ebenso konsequent ins Leere, wie die Warnungen vor der akut drohenden Massenarbeitslosigkeit im deutschen Tourismusgewerbe.

Nie war ein Tourismusbeauftragter in Deutschland wichtiger als gerade jetzt – und nie ein Totalausfall offensichtlicher und katastrophaler als Thomas Bareiß in den letzten Wochen. Es ist längst mehr als überfällig, den offenkundig gnadenlos eitlen und maximal selbstverliebten Tourismusbeauftragte durch einen klugen und engagierten Kopf zu ersetzen, dem Selbstdarstellung nicht über die Existenz von tausenden von Menschen geht. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja bspw. in der Friseurinnung eine neue adäquate Herausforderung für Bareiß, die seinen tatsächlichen Neigungen und Interessen deutlich besser entspricht.