Und wer nimmt den Hund?

Dienstag ist Kinotag. Ja, es gibt sie trotzt aller Streamingdienste noch, die Kinos und diese Tage, an welchen ein Besuch in den selbigen ein klein wenig günstiger ist. Eine gute Gelegenheit also, der Frage „Und wer nimmt den Hund?“ nachzugehen.

Der Kinosaal des stilvollen Passage-Kinos inmitten der Hamburger Altstadt war tatsächlich bis auf den letzten Platz voll. Ob das am Film, am Kinotag oder doch an der recht übersichtlichen Sitzplatzzahl (35 Plätze) lag, vermag ich nicht zu beurteilen. Martina Gedeck und Ulrich Tukur in den Hauptrollen sind jedoch zweifelsohne ein guter Grund, sich der doch recht intimen Atmosphäre und ziemlich schlechten Luft dieses wirklich klitzekleinen Saals auszusetzen.

Erwartungsgemäß brillierten sowohl Gedeck als auch Tukur im launig-dramatischen Trennungsepos. Sie duellierten sich spitzzüngig mit punktgenauer Mimik und leidenschaftlicher Hingabe, litten und stritten gleichermaßen vollendet. Der Stoff mitten aus der von einer Midlife-Crisis ordentlich geschüttelten heilen Welt der gehobenen Mittelschicht. Welche, ganz im Trend der Zeit, den Trennungsprozess bis hin zur Scheidung therapeutisch und für den Betrachter unterhaltsam begleiten lässt.

Insgesamt konnte der Film, trotz überragender Darsteller und durchaus gelungener Zeitsprünge, nicht vollends überzeugen. Die Story war leider überwiegend vorhersehbar, der junge Georg (Linkshänder) ein besetzungstechnischer Fauxpas, manche Szenen von schier epischer, definitiv aber unnötiger Länge.

Zweifelsohne großartig war jedoch, Martina Gedeck wieder einmal zu sehen. Oder vielmehr, sie eben nicht zu sehen. Denn im Gegensatz zu eben jenen Gspusis, die gerne als deutsche Schauspielerinnen gehandelt werden, spielt Gedeck keine Rolle. Gedeck ist. Ein wenig mehr Martina Gedeck täte dem deutschen Film nach meinem Dafürhalten daher überaus gut.

Musikalische Zeitreise mit schwäbischem Grandseigneur

Klavier von Ulrich Tukur in der Elbphilharmonie Hamburg
„Grüß mir den Mond“ Ulrich Tukur in der Elbphilharmonie.

Es war eine Tanzkapellenpremiere der besonders grandiosen Art. Ulrich Tukur und seine stetig gutaussehenden Rhythmus Boys gaben sich erstmals gemeinsam in der Hamburger Elphilharmonie die Ehre.


So ward sie dann auch rasant ausverkauft, die Mehrzweckhalle, wie Tukur mir der ihm so eigenen Liebenswürdigkeit den großen Saal des mittlerweile beinahe schon weltberühmten Konzerthauses bezeichnete. Es sollte die einzige Untertreibung bleiben.


Mit einem Kanonenfeuer überaus kurzweiligen Anekdoten berichtete Tukur von vielen guten Freunden, isländischen Geysiren, anderweitig unterhaltsamen und auch nur möglicherweise pränatalen Begegnungen. Gemeinsam mit den wie immer gutaussehenden Rhythmus Boy – Kalle Mews, Ulrich Mayer und Günter Märtens – fanden die launigen Intros sodann ihre grandiose musikalische Fortsetzung.

Akustisch konnte die nicht mehr ganz so junge Boyband vollends überzeugen, die Elphi allerdings blieb hinter den Erwartungen zurück. Tukur und Mannen klangen im plüschigen St. Pauli-Theater mindestens genau so großartig. Nur ein Lied, dessen Titel* zugunsten der wunderschönen Erläuterung “ junge Italiener, die den Mond anheulten“ völlig egal und darum vergessen ist, wäre von Tukur vielleicht an andere Stätte nicht ganz so inbrüstig geschmettert beim geneigten Zuhörer angekommen.


Trotz stolzer Preise für gute Plätze – auch hier geht eine Träne auf Reisen in Richtung St. Pauli-Theater – lohnt es sich allemal, bei „Grüß mir den Mond“ eine echte Sternstunde zu erleben. Die nächste Möglichkeit dazu ist am 4. Januar 2019 in der Elbphilharmonie.

Tipp: Konzertkarten für die Elbphilharmonie sind überaus begehrte Spekulationsobjekte und nicht zuletzt deshalb im Nu vergriffen. Wer kurzentschlossen und flexibel ist, kann allerdings im Kartenbüro durchaus noch an Restkarten kommen. Je näher der Veranstaltungsbeginn, desto verhandlungsbereiter sind übrigens auch die vor der Elphi regelmäßig postierten privaten Ticketverkäufer.

*) Stasera pago io