Segeln mit Alexander Dobrovinsky im Bermudadreieck

Alexander Dobrovinsky ist ein umtriebiger Zeitgenosse. Residierte er 2017 noch im eher regnerischen London, so ist er mittlerweile ins sonnigere Spanien – 28660 Boadilla del Monte, Madrid – übergesiedelt. Vielleicht war es aber nicht das Wetter, sondern der drohende Brexit, der ihn in sein neues Domizil in der Calle Juan Carlos I, 24 umziehen ließ.

Brexit – das hat ja irgendwie etwas von Untergang. Vom Verschwinden. Was also liegt für Alexander Dobrovinsky näher, als sich umfassend mit der Thematik des Untergangs zu befassen. Nicht dem der Briten, sonder mit dem Bermudadreieck.

So plant Alexander Dobrovinsky nunmehr in Madrid Seminare abzuhalten. Zwei umfangreiche Word-Dokumente hat er dazu schon… sagen wir mal: zusammengestellt. Damit möglichst viele seiner Seminarbesucher von all dem partizipieren, möchte er nunmehr die englischen Texte ins Deutsche übersetzen lassen. So fragt er, die Dokumente im Anhang, diverse potentielle Übersetzungsdienstleister mit der Bitte um ein Angebot an. In selbiger Mail sichert er Vorabzahlung zu.

Noch spricht – ohne weiterführende Recherche – nichts konkret gegen ein Angebot. Dann dauert es nicht lange, bis auch schon der Auftrag kommt. In allertiefster Nacht. Um 3.35 Uhr. Direkt von der Segelyacht?

Thanks for your email.
I apologize for my late reply, I was sailing.
I am happy to let you know that I have decided to use your service for the translation of the documents.

Doch halt! Er kann nicht zahlen!

Unfortunately, am unable to make bank transfer to neither him nor you due to my present sailing location.

Aber Alexander Dobrovinsky ist ein Ehrenmann. Natürlich.

I will prepay you directly with a certified bank check but before that…

Alexander Dobrovinsky vertraut vorbehaltlos. Da sein Eventmanager, der das Seminar “The Bermuda & Dragon´s Triangle” in Madrid organisiert, leider keine Schecks akzeptiert, sendet er einen um 5.200 Euro  höher ausgestellten Scheck an den Übersetzungsdienstleister.  

On this note, I have resolved to send you a certified bank check for a total amount of €xxxx.

Alexander Dobrovinsky vertraut darauf, dass der Übersetzungsdienstleister sodann nach Einlösung und Gutschrift des Schecks eine Sofortüberweisung an den Eventmangager vornimmt. Selbstverständlich trägt der Eventorganisationsmanager sämtliche Gebühren und Steuern, resp. können diese in Abzug gebracht werden. Ehrenmann!

On receiving the check, kindly deposit it into your account to clear. When you have the cash money on your account, deduct and keep your fee of €xxxx and send the balance money to the event manager via a swift bank transfer. I will provide you with the manager’s banking details. All taxes, bank charges and commissions will be deducted from his fee before the transfer is made. An invoice from the manager to you is also available if needed for your book-keeping records.

Nice try. Oder auch Überzahlungsbetrug, wie es im Fachjargon heißt. Der Versuch ist definitiv nicht so schlecht umgesetzt, wie man es erwarten könnte. Wenn man nach der Mailadresse des vermeintlichen Alexander Dobrovinksy, konkret nach alexandvinsky1@gmail.com sucht, wird man allerdings fündig, dass eben nicht alles mit rechten und vor allem seriösen Dingen zugeht.

Ein mutmaßlich „geschäftlicher“ Segeltörn mit dem, der sich Alexander Dobrovonskys nennt, führt unweigerlich ins Bermudadreieck. Er ist ein exklusives Abenteuer, das statt in ein Honorar ins ein monetäres Defizit des Auftragnehmers mündet. Denn möglicherweise schreiben Banken und Sparkassen den eingereichten Scheck (vorerst!) gut.. Allerdings ohne diesen zu prüfen. Solch ein Prüfprozess ausländischer Schecks kann durchaus über mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Wer also nach vermeintlicher Wertstellung guter Dinge eine nicht unwesentliche Summe an den vorgeblichen Eventorganisationsmanager überweist, darf dies letztlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus der eigenen Portokasse tun.

3 Antworten auf „Segeln mit Alexander Dobrovinsky im Bermudadreieck“

  1. Tja. Hätte ich doch früher im Internet nach diesem Herrn geforscht, dann wäre ich vielleicht nicht auf ihn reingefallen (meine Bank hat aber zum Glück den Schaden verhindert).

    Zur Info: Er verschickt seine Schecks immer noch aus London und sogar in Pfund.

  2. Vielen Dank für den Beitrag. Von mir wollte der Herr ein Angebot für eine Übersetzung ins Niederländische, nachdem er erst „aus Versehen“ eins für eine Übersetzung ins Deutsche angefragt hatte. Ich bin also gewarnt. 🙂

    Ich hatte übrigens schon mal einen ähnlichen Fall. Ein gewisser Mason Blake wollte einen einmonatigen Intensivkurs Niederländisch für seine zwei hoffnungsvollen Sprösslinge buchen. Die Zahlungsmodalitäten waren ähnlich wie im obigen Beitrag. Mit Googles Hilfe fand ich heraus, dass besagte Sprösslinge im selben Jahr bereits Spanisch, Schwedisch, Französich und noch eine Menge andere Sprachen lernen sollten. Poor kids. 😉

  3. Herzlichen Dank für Ihren wertvollen Beitrag. Mitunter aufgrund der Auffindbarkeit Ihres Artikels im Internet haben unsere Mitarbeiter es unterlassen, den eingetroffenen Check einzulösen und wir konnten eine Schädigung in der von Ihnen beschriebenen Art verhindern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.